Aktuelle Ausgabe 5/2026
Beiträge
Frank Stephan Ackerschott
Prompt Engineering und ACH: Systematische Bias-Kontrolle in der Ermittlungsanalyse - Teil 1
Rolf Berty
Statistik im Bereich der forensischen Schriftvergleichung - Teil 2
Über die sinnwidrige Interpretation und Verwendung des Bayes-Theorems
Stefan Kersting / Felix Bode / Julia Erdmann
Betrugserfassung in der Polizeilichen Kriminalstatistik
Die "PKS-Ausland" als Bad Bank?
Daniel Köhler / Irina Jugl-Kuntzsch
Teenage Terroristen aus der Terrorgramszene
Kernbefunde einer kriminologischen Hellfeldstudie
Trygve Ben Holland / Carina Zirkel
Kokainhandel im Kontext ethnisch-albanischer krimineller Netzwerke und der Karibik CAP1 - Teil 2
Anonym
Aktive Maßnahmen russischer Geheimdienste - Teil 1
Istoria est magistra vitae - Ein Blick zurück
Recht aktuell
Jürgen Vahle
Durchsuchung in einer Gemeinschaftsunterkunft zum Zwecke der Abschiebung
BVerfG, Beschl. v. 19.9.2025 - 2 BvR 460/25
Jürgen Vahle
Zur Verknüpfung von Nötigung und Wegnahme beim Raub
BGH, Beschl. v. 25.9.2025 - 4 StR 113/25
Jürgen Vahle
Zur Garantenstellung sorgeberechtigter Eltern für minderjährige Kinder
BGH, Urt. v. 7.10.2025 - 3 StR 11/25
Kriminalistik Campus
Andreas Tull
Sexualisierte Gewalt in Paarbeziehungen führt in die Zwangsprostitution
Kriminologischer Forschungsstand zum Phänomen Loverboy
Anonym
Sterbehilfe auch bei psychisch erkrankten Personen?
Eine kritische Analyse der rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland
Anonym
Ransomware und Terrorismusfinanzierung - Teil 1
Status Quo und Potenziale islamistischer Gruppierungen
Literatur
Prof. Dr. Jürgen Vahle, Bielefeld
Lackner/Kühl/Heger, Strafgesetzbuch StGB
Prof. Dr. Michael Soiné, Bad Tölz
Fischer, Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen
_________________________
Beiträge
Frank Stephan Ackerschott
Prompt Engineering und ACH: Systematische Bias-Kontrolle in der Ermittlungsanalyse - Teil 1
Large Language Models werden bei OSINT zunehmend zur Verdichtung heterogener Daten genutzt - und können dabei unbemerkt scheinbar evidenzbasierte Lagebilder formen. Der Beitrag zeigt am Leitprompt zu Person X, wie Prompt-Rahmung kognitive Verzerrungen und modellbedingte Konfabulationen koppelt und so Kohärenz mit Validität verwechselt. Als Gegenentwurf wird ein ACH-Prompting als widerspruchsorientierte Prompt-Architektur vorgestellt und durch Governance-Leitplanken (Dokumentation, Unsicherheitsmarkierung, Quellenpflicht) operationalisiert.
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Rolf Berty
Statistik im Bereich der forensischen Schriftvergleichung - Teil 2
Über die sinnwidrige Interpretation und Verwendung des Bayes-Theorems
Die in der forensischen Schriftvergleichung seit Jahrzehnten verbreitete Transkription des Bayes-Theorems ("Ereignis A = Hypothese", "Ereignis B = Befund") beruht auf einem semantischen Kategorienfehler. Hypothesen sind Vermutungen über mögliche Sachverhalte, Befunde sind beobachtete Merkmale; als Ereignismengen nebeneinander gestellt werden sie disjunkt, wodurch der in der Bayes-Herleitung zentrale Verknüpfungsterm, der Durchschnitt der beiden Mengen A und B, begrifflich entleert wird. Daraus folgt, dass die so verstandene Bayes-Anwendung aus ihrem Geltungsbereich fällt. Zudem wird das in der Literatur beschriebene Grenzwertproblem als Modellierungsartefakt der Gleichverteilung über einen beliebig vergrößerbaren Hypothesenraum rekonstruiert. Abschließend wird eine alternative Modellierung gegeben, die in einem einheitlichen Ereignisraum bleibt und eine normierte Hypothesenwahrscheinlichkeit aus Befunden ableitet, ohne auf A-priori-Wahrscheinlichkeiten zurückgreifen zu müssen.
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Stefan Kersting / Felix Bode / Julia Erdmann
Betrugserfassung in der Polizeilichen Kriminalstatistik
Die "PKS-Ausland" als Bad Bank?
Dieser Beitrag analysiert, inwiefern die seit dem Jahr 2020 praktizierte Erfassung von Betrug in der "PKS-Ausland" als Form statistischer Bilanzbereinigung zu verstehen ist. Untersucht wird, ob auf diese Art und Weise Dynamiken des Kriminalitätsgeschehens in Deutschland invisibel bleiben. Prima Facie suggeriert die Darstellung dieser "Auslandstaten" in der "PKS-Ausland" ein vollumfängliches Abbild des Kriminalitätsgeschehens im Hellfeld. Es kann gezeigt werden, dass es sich dabei allerdings mehr um eine verzerrende Scheindarstellung handelt und die "PKS-Ausland" als Bad Bank der Polizeilichen Kriminalstatistik fungiert.
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Daniel Köhler / Irina Jugl-Kuntzsch
Teenage Terroristen aus der Terrorgramszene
Kernbefunde einer kriminologischen Hellfeldstudie
Dieser Artikel stellt die zentralen Ergebnisse der bundesweiten Hellfeldstudie zur sog. Terrorgramszene des Landeskriminalamts Baden-Württemberg vor und ordnet diese insbesondere aus Perspektive der Sicherheitsbehörden ein. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht methodische Details oder theoretische Debatten, sondern jene Befunde, die für Gefahrenbewertung, Beobachtung, Prävention und operative Arbeit von Bedeutung sind.
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Trygve Ben Holland / Carina Zirkel
Kokainhandel im Kontext ethnisch-albanischer krimineller Netzwerke und der Karibik CAP1 - Teil 2
Im Rahmen des von der EU geförderten Projektes CAP1 (Caribbean-Albanian Poly-criminal Offshore Network Elicitation) aus dem Internal Security Fund (ISF) werden gegenwärtig (1/2025 bis 12/2026) unterschiedliche Methoden - oftmals IT basierten Charakters ebenso wie "klassische" Ermittlungsmaßnahmen - angewendet, um zuvörderst zwei Zielsetzungen zu verfolgen: Zum einen wird die rechtliche Fundierung transnationaler Ermittlungen im Lichte internationaler Rechtsgrundlagen und Institutionen analysiert, zum anderen werden in-rem und in-situ-Aktivitäten im karibischen wie albanischen Raum zugleich durchgeführt, um mögliche Ergänzungen und Mehrwerte einer nexusbezogenen Methodik zu identifizieren, die es zu systematisieren gilt. Dabei knüpft der vorliegende Teil 2 an den ersten Teil: "Kokainhandel im Kontext ethnisch-albanischer krimineller Netzwerke und der Karibik CAP1 - Teil 1" an, der in Heft 3/2026, S. 146 ff. dieser Zeitschrift erschien.
English Version (PDF-Download)
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Anonym
Aktive Maßnahmen russischer Geheimdienste - Teil 1
Istoria est magistra vitae - Ein Blick zurück
Der erste Teil der geplanten fünfteiligen Beitragsreihe über aktive Maßnahmen russischer Geheimdienste widmet sich deren funktionaler Logik und Mechanik am Beispiel verdeckter Operationen des KGB. Dabei zeigt sich in verblüffender Weise, dass Geschichte und Gegenwart mehr strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen als allgemein bekannt. Einer der Gründe für die Wiederkehr der KGB-"Handlungsskripte" im postsowjetischen Russland lässt sich sogar durch eine aktive Maßnahme der Sowjetunion plausibilisieren und ist insgesamt im Kontext eines geopolitischen Paradigmas des "eurasischen Schachbretts" zu betrachten.
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
_________________________
Recht aktuell
Jürgen Vahle
Durchsuchung in einer Gemeinschaftsunterkunft zum Zwecke der Abschiebung
Nach verfassungsrechtlichen Maßstäben liegt grundsätzlich eine Durchsuchung vor, wenn eine betroffene Person zum Zwecke der Abschiebung in ihrem Zimmer einer Gemeinschaftsunterkunft aufgesucht wird, solange vor Beginn der Maßnahme keine sichere Kenntnis über den konkreten Aufenthaltsort der zu ergreifenden Person besteht.
BVerfG Beschl. v. 19.9.2025 - 2 BvR 460/25
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Jürgen Vahle
Zur Verknüpfung von Nötigung und Wegnahme beim Raub
1. § 249 StGB setzt voraus, dass die eingesetzte Gewalt oder Drohung das Mittel gerade zur Ermöglichung der Wegnahme ist. Folgt die Wegnahme der Anwendung des Nötigungsmittels zu anderen Zwecken nur zeitlich nach, ohne dass diese finale Verknüpfung besteht, so scheidet ein Schuldspruch wegen Raubes aus. Dies ist etwa dann der Fall, wenn der Täter lediglich die noch andauernden Wirkungen einer bislang nicht auf die Ermöglichung einer Wegnahme von Sachen gerichteten Gewalthandlung ausnutzt, um dem Tatopfer nunmehr auch Sachen wegzunehmen.
2. Als Raubmittel kommt zwar auch die konkludente Drohung mit der Fortführung der bereits eingesetzten Gewalt in Betracht. Dies setzt aber voraus, dass sich den Gesamtumständen einschließlich der zuvor verübten Gewalt in irgendeiner Form die schlüssige Erklärung des Täters entnehmen lässt, er werde Widerstand gegen die nunmehr ins Auge gefasste Wegnahme mit (weiterer) Gewalt gegen Leib oder Leben brechen.
BGH Beschl. v. 25.9.2025 - 4 StR 113/25
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Jürgen Vahle
Zur Garantenstellung sorgeberechtigter Eltern für minderjährige Kinder
1. Den für ihr minderjähriges Kind sorgeberechtigten Eltern kommt dem Grunde nach eine strafrechtliche Garantenstellung zu. Die Garantenpflicht besteht auch, wenn das Kind bereits strafmündig ist.
2. Welche Maßnahmen aufgrund der Garantenstellung geboten sind, hängt vor allem davon ab, ob konkrete Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten des Kindes bestehen
3. Eine psychisch vermittelte Beihilfeleistung kann auch zu einer Zeit erbracht werden, bevor der Haupttäter den Tatentschluss fasst.
BGH Urt. v. 7.10.2025 - 3 StR 11/25
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
_________________________
Kriminalistik Campus
Andreas Tull
Sexualisierte Gewalt in Paarbeziehungen führt in die Zwangsprostitution
Kriminologischer Forschungsstand zum Phänomen Loverboy
In Deutschland finden sich spätestens seit dem Spätmittelalter Nachweise für Prostitution in entsprechenden Vorschriften und Ordnungen aus zahlreichen Städten. Mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 erfolgte in Deutschland die Abschaffung der generellen Sittenwidrigkeit von Prostitution (Schmitter, 2013). Eine wichtige Unterscheidung ist die Abgrenzung von Prostitution und Zwangsprostitution - wobei beide Bereiche Raum für wissenschaftliche Untersuchungen und politische Diskussionen bieten. Im folgenden Beitrag soll es ausschließlich um Zwangsprostitution gehen. Zwangsprostitution, etwa im Kontext von Menschenhandel oder extremer ökonomischer oder emotionaler Abhängigkeit, kann für Betroffene schwerwiegende körperliche, materielle und vor allem psychische Folgen haben. Außerdem kann sich Zwangsprostitution auch auf die Gesellschaft auswirken - z.B. durch die Verfestigung von geschlechterbezogenen Gewaltstrukturen und ungleichen Machtverteilungen (Europäisches Parlament, 2014). Durch das Internet und soziale Medien haben sich neue Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit sowie der Kontrolle von potentiellen Opfern ergeben. Diese Entwicklungen haben auch Einflüsse auf polizeiliche repressive und präventive Maßnahmen. Der folgende Beitrag untersucht in diesem Zusammenhang literaturgestützt das Phänomen der Loverboy-Methode.
(Redaktion: Lara Textores)
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Anonym
Sterbehilfe auch bei psychisch erkrankten Personen?
Eine kritische Analyse der rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland
Der Aufsatz, dem eine wesentlich umfangreichere Bachelor-Thesis zugrunde liegt, beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen die Umsetzung von Sterbehilfe bei psychisch erkrankten Personen beeinflussen und welche spezifischen Herausforderungen sich daraus für die Praxis ergeben. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass eine besondere Herausforderung bei der Feststellung der sog. Freiverantwortlichkeit besteht, wodurch die Beurteilung von Sterbewünschen im besonderen Maße erschwert wird. Für die Beurteilung der Freiverantwortlichkeit wurden im BVerfG-Urteil vom 26.2.2020 Kriterien festgehalten, doch bleiben weiterhin viele Aspekte offen und ungeklärt.
(Redaktion: Prof. Dr. Sigmund Martin)
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
Anonym
Ransomware und Terrorismusfinanzierung - Teil 1
Status Quo und Potenziale islamistischer Gruppierungen
Der Aufsatz, dem eine wesentlich umfangreichere Bachelor-Thesis zugrunde liegt, untersucht anhand einer Literaturrecherche die mögliche Strafbarkeit von Lösegeldzahlungen nach einem Ransomware-Angriff im Sinne der Terrorismusfinanzierung und erörtert, inwiefern islamistische terroristische Gruppierungen Ransomware-Angriffe zur Finanzierung bereits nutzen bzw. nutzen können. Im zweiten Teil (in einem Folgeheft) werden die durch einen Ransomware-Angriff im Regelfall verwirklichten Straftatbestände der §§ 202a, 202d, 253, 303a, 303b StGB dargestellt und es wird eine mögliche Strafbarkeit des Lösegeldzahlenden anhand der §§ 89c, 129, 129a StGB und des § 18 AWG erörtert. Im vorliegenden ersten Teil wird evaluiert, warum nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Ransomware-Angriffe einer islamistischen terroristischen Gruppierung bekannt sein könnten. Anschließend werden die informationstechnischen Fähigkeiten von islamistischen terroristischen Gruppierungen denen für einen Ransomware-Angriff notwendigen gegenübergestellt.
(Redaktion: Prof. Dr. Sigmund Martin)
Sie haben die Kriminalistik mit Online-Zugang abonniert? Dieser Link führt Sie direkt zum Beitrag in der Datenbank.
Sie haben noch kein Kriminalistik-Abonnement? Hier können Sie ein Abonnement bestellen.
_________________________
Literatur
Prof. Dr. Jürgen Vahle, Bielefeld
Lackner/Kühl/Heger, Strafgesetzbuch StGB. 31. Aufl. 2025, 2070 S. geb., € 105,-, C.H. Beck, ISBN 978-3-406-80982-8
Der von den beiden Hochschullehrern Heger und Pohlreich betreute Kommentar ist mit der Neuauflage hinsichtlich der kommentierten Gesetze auf den Stand 1.8.2025 gebracht worden. Rechtsprechung und Literatur wurden im Wesentlichen bis zum April 2025 ausgewertet, teilweise über diesen Zeitpunkt hinaus. Angesichts des (von Auflage zu Auflage gewachsenen) Umfangs ist der Preis moderat geblieben. Damit gehört der "Lackner/Kühl" zu den Kommentaren des StGB, deren Anschaffung auch Studenten und Referendare in Erwägung ziehen sollten. Die Kommentierungen folgen im Kern einem einheitlichen Schema. Einleitend wird das Schutzgut der jeweiligen Norm erläutert, es folgen Erläuterungen zu den einzelnen Tatbestandsmerkmalen und zu den Konkurrenzen. Zahlreiche Rechtsprechungs- und Literaturnachweise - die den Lesefluss zuweilen allerdings etwas beeinträchtigen - ermöglichen eine weitere Vertiefung. Auch der "eilige" Praktiker findet schnell einen Zugang zu dem gesuchten Problem. Auf rechtspolitische Kritik wird (m. E. erfreulicherweise) nicht verzichtet (s. z.B. § 140 Rz. 2; § 232a Rz. 10).
Fazit: Das Werk bietet wie gewohnt eine präzise und gut verständliche Kommentierung. Auf dem Feld der Kommentarliteratur zum StGB gehört der "Lackner/Kühl" zur Oberklasse.
Prof. Dr. Michael Soiné, Bad Tölz
Fischer, Strafgesetzbuch mit Nebengesetzen. 73. Aufl. 2026, 2806 S., 119 €, C.H. Beck, ISBN 978-3-406-83926-9
Mit der Neuauflage des beliebten Kurzkommentars zum Strafgesetzbuch beendet Rechtsanwalt und Vorsitzender Richter am BGH a.D. Prof. Dr. Thomas Fischer nach 26 Jahren und 23. Auflagen als Alleinbearbeiter des Werkes seine Tätigkeit als Herausgeber und Autor. Das Werk wird künftig von den Richtern am BGH Dr. Stephan Anstötz und Dr. Hans-Joachim Lutz betreut werden.
Die 73. Aufl. ist wie gewohnt topaktuell. Das zeigt sich z.B. an der verarbeiteten Rechtsprechung und Gesetzgebung mit Stand November 2025, insbesondere das Zweite Gesetz zur Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes vom 7.11.2024 (BGBl. I 2024 Nr. 351 vom 12.11.2024) und das Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen vom 3.4.2025 (BGBl. I 2025, Nr. 107 vom 8.4.2025). Berücksichtigt wurden auch alle relevanten Gesetzgebungsverfahren sowie die weiteren wichtigen Novellen im Rahmen der Gesetzgebung der neuen Bundesregierung. Die neu erschienene Literatur wurde ebenfalls ausgewertet.
Der Kommentar besticht wieder durch die gut verständliche Regelungssystematik und die Behandlung der wesentlichen dogmatischen und praktischen Anwendungsfragen im Strafrecht.
Fischer hat mit seiner Abschiedsauflage dem Werk einen besonderen Stempel aufgedrückt. Mit dem Erwerb des gedruckten Werkes erhält die berechtigte Person mit der im Bundle enthaltenen Fischer-Karte 2026 sofort Zugang zu FRAG DEN FISCHER. Zugriff auf verlinkte Dokumente aus beck-online. DIE DATENBANK ist möglich, ohne beck-online-Kunde zu sein. Die Online-Anwendung ist an die 73. Aufl. des Werkes gebunden und endet mit Ablauf des 31.1.2027. Der berechtigten Person steht erstmals der komplette Inhalt des Kommentars mit einer Online-Volltext-Recherche zur Verfügung, was die Suche mittels Stichwörtern nach Fundstellen oder direkt nach Randnummern ermöglicht. Dem Fischer können Fragen gestellt und es können Dialoge geführt werden. Die Interaktion mit den Originalinhalten ermöglicht KI generierte Antworten auf Basis der 73. Aufl., was die juristische Alltagsarbeit mit dem StGB erleichtern dürfte.
Summa summarum ist der Strafgesetzbuchkommentar - nunmehr auch mit Zugriffsmöglichkeiten auf verlinkte Dokumente aus beck-online - ein Muss für jeden Strafrechtswissenschaftler und Strafrechtspraktiker.
