Aktuelle Ausgabe 2/2026
Beiträge
Michael Ebel
Tatort Blockchain
Die nächste große kriminalistische Herausforderung
Thomas Feltes / Reinhard Dettmeyer / Peter Roos
Der lagebedingte Erstickungstod (LET)
Aktuelle polizeiliche, medizinische und rechtliche Aspekte
Cathrin Chevalier / Simone Wittmann
Denk- und Entscheidungsfehler in Ermittlungen
Psychologische Perspektiven und empirische Befunde
Alexander Gluba / Lukas Boll
"Clankriminalität"
Besonderer Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht durch besondere Qualität der Taten in Niedersachsen?
Kenan Alkan-Mewes
Die Kunst der Vernehmung
Von der Befragungsqualität zur Begutachtungsqualität
Frederik Herden / Tim Pfeiffer / Britta Bannenberg
Waffenverbotszonen an Kriminalitätshotspots: Eine kurze Bestandsaufnahme - Teil 1
Nationale Verbreitung und Forschungsstand
Manfred Reuter
Die Novellierung des Bundeskriminalamtgesetzes
Datenerhebung bei Kontaktpersonen und Anpassung von Regelungen über den polizeilichen Informationsverbund
Recht aktuell
Jürgen Vahle
Dienstunfall eines Polizeibeamten bei Reparaturversuch in einem Arbeitsraum?
BVerwG, Urt. v. 13.3.2025 - 2 C 8/24
Jürgen Vahle
Eigenermittlungen der Verteidigung und ihre Grenzen
BGH, Beschl. v. 24.6.2025 - 3 StR 138/25
Jürgen Vahle
Messerführungsverbot zur Abwehr von Gewaltdelikten
OVG NRW, Beschl. v. 8.7.2025 - 5 B 579/25
Kriminalistik Schweiz
Daniel Jositsch / Fanny de Tribolet-Hardy / Natalija Bogdanovic
Therapie statt Strafe - Teil 1
Ein neuer Ansatz für Ersttäter von Online-Sexualstraftaten zum Schaden von Kindern
Kriminalistik Campus
Johanna Steiger
Bedeutung und Möglichkeiten der forensischen Linguistik im digitalen Zeitalter
Lukas Graf von Schwerin
Cybergrooming und die Rolle der Polizei
Gefährlichkeit, Mechanismen und Schutzfaktoren für Kinder und Jugendliche
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Beiträge
Michael Ebel
Tatort Blockchain
Die nächste große kriminalistische Herausforderung
Kryptowährungen haben sich von einer Randerscheinung zu einem festen Bestandteil globaler Finanzströme entwickelt. Ihre Dezentralität und internationale Reichweite erschweren klassische Finanzermittlungen, eröffnen durch die Transparenz der Blockchain jedoch auch neue Chancen. Der Beitrag zeigt, warum Finanzermittler im Zentrum dieser Ermittlungen stehen, wie externe Sachverständige ergänzend wirken und welche Grenzen durch Privacy-Coins, Mixer und internationale Lücken bestehen. Im Fokus steht die Vermögensabschöpfung als zentrale Zielachse: Nur durch standardisierte Methoden und internationale Kooperation kann verhindert werden, dass Straftaten im digitalen Raum dauerhaft profitabel bleiben.
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Thomas Feltes / Reinhard Dettmeyer / Peter Roos
Der lagebedingte Erstickungstod (LET)
Aktuelle polizeiliche, medizinische und rechtliche Aspekte
Ein lagebedingter Erstickungstod (LET) kann eintreten, wenn eine Person in einer Position gehalten wird, die ihre Atmung behindert. Dies kann zu Sauerstoffmangel im Körper und zum tödlichen Herzstillstand führen. Auch bei regelgerechter Anwendung unmittelbaren Zwanges kann ein LET auftreten. Der Beitrag beschreibt, worum es sich dabei handelt und gibt Hinweise, wie der LET verhindert werden kann. Aus medizinischer Sicht werden die physiologischen Zusammenhänge dargestellt, um das Risiko eines solchen Todes besser einzuschätzen und Abläufe, die zum Tod führen, bewerten zu können. Die Problematik der Ermittlungen wird ebenso diskutiert wie die Frage, ob und wie der LET bei einer Obduktion erkannt werden kann.
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Cathrin Chevalier / Simone Wittmann
Denk- und Entscheidungsfehler in Ermittlungen
Psychologische Perspektiven und empirische Befunde
Kriminalistische Ermittlungen sind komplexe Problemlöseprozesse, die kognitive und soziale Fehler begünstigen können. Aufbauend auf psychologischen Erkenntnissen untersucht der Beitrag typische Fehlerarten sowie fehlerfördernde Bedingungen bei Ermittlern. Eine Befragung von erfahrenen und angehenden Kriminalisten zeigt: Fehlerbegünstigende Arbeitsbedingungen werden als typisch wahrgenommen, die eigene Fehleranfälligkeit jedoch unterschätzt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung psychologischer Reflexionskompetenz und gezielter Fehlerprävention in kriminalistischer Ausbildung und Praxis.
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Alexander Gluba / Lukas Boll
"Clankriminalität"
Besonderer Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht durch besondere Qualität der Taten in Niedersachsen?
In den Diskussionen um "Clankriminalität" wird regelmäßig betont, dass diese das Sicherheitsgefühl stark durch eine besondere Tatqualität und -schwere beeinflussen kann. Doch ist dies der Fall? Lassen die statistischen Merkmale der durch die Polizei erfassten "Clankriminalität" diesen Schluss zu? Dieser Frage wird in diesem Aufsatz nachgegangen und zudem geprüft, ob ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der "Clankriminalität" und dem Sicherheitsgefühl besteht.
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Kenan Alkan-Mewes
Die Kunst der Vernehmung
Von der Befragungsqualität zur Begutachtungsqualität
Vernehmung und Glaubhaftigkeitsbegutachtung sind nicht selten zentrale Bausteine eines Strafverfahrens, insbesondere, wenn Aussage gegen Aussage beziehungsweise Aussage gegen Schweigen steht - sie folgen jedoch unterschiedlichen Logiken und Zielen. Diese Unterschiede führen nicht selten zu Schwierigkeiten: Ungeeignete Vernehmungstechniken können die spätere aussagepsychologische Begutachtung erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen. Der vorliegende Beitrag zeigt aus rechtspsychologischer Perspektive, wie eine sachgerechte Vernehmung die Aussageanalyse unterstützt und beleuchtet typische Probleme.
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Frederik Herden / Tim Pfeiffer / Britta Bannenberg
Waffenverbotszonen an Kriminalitätshotspots: Eine kurze Bestandsaufnahme - Teil 1
Nationale Verbreitung und Forschungsstand
In Deutschland werden zunehmend Waffenverbotszonen an identifizierten Kriminalitätshotspots errichtet. Es mangelt jedoch an empirischer Evidenz zu ihrer Wirkung. Der erste Teil des Beitrags liefert einen kompakten Überblick über die Verbreitung entsprechender Zonen in Deutschland und skizziert den defizitären nationalen Forschungsstand. Im zweiten Teil des Beitrags wird vor allem auf internationale Forschungserkenntnisse aus anderen relevanten Themenbereichen zurückgegriffen, um sich der Frage nach möglichen Auswirkungen von Waffenverbotszonen zu nähern.
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Manfred Reuter
Die Novellierung des Bundeskriminalamtgesetzes
Datenerhebung bei Kontaktpersonen und Anpassung von Regelungen über den polizeilichen Informationsverbund
Das aus Entscheidung des BVerfG - 1 BvR 1160/19 vom 28.10.2024 resultierende Novellierungserfordernis des § 45 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 des Bundeskriminalamtgesetzes wurde fristgerecht umgesetzt. Die erfolgten Anpassungen werden in dem nachfolgenden Beitrag im Lichte des Verfassungsgerichtsentscheids eingeordnet.
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Recht aktuell
Jürgen Vahle
Dienstunfall eines Polizeibeamten bei Reparaturversuch in einem Arbeitsraum?
Die Verwendung eines privaten, abstrakt gefährlichen Gegenstandes zu einem nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch läuft den wohlverstandenen Interessen des Dienstherrn zuwider. Ein solches Verhalten ist der Risikosphäre des Beamten zuzuordnen und steht der Anerkennung eines Unfallereignisses als Dienstunfall entgegen.
BVerwG Urt. v. 13.3.2025 - 2 C 8/24
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Jürgen Vahle
Eigenermittlungen der Verteidigung und ihre Grenzen
Bei einem amtlich verwahrten Beweisstück hat die Verteidigung grundsätzlich nur ein Recht auf Einsichtnahme am Ort der behördlichen Verwahrung, nicht auf Überlassung zwecks eigener Ermittlungen.
BGH Beschl. v. 24.6.2025 - 3 StR 138/25
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Jürgen Vahle
Messerführungsverbot zur Abwehr von Gewaltdelikten
1. Das Waffengesetz schließt ein individuelles Verbot des Mitführens von Messern und sonstigen gefährlichen Gegenständen auf landespolizeirechtlicher Grundlage nicht aus.
2. Für polizeiliche Maßnahmen zum Schutz von Leben und Gesundheit genügt bereits die entfernte Möglichkeit eines Schadenseintritts. Die Einstellung eines Ermittlungs- und Strafverfahrens steht ihrer Berücksichtigung für eine Gefahrenprognose nicht entgegen, wenn ein Restverdacht gegen den ehemals Beschuldigten verblieben ist.
OVG NRW Beschl. v. 8.7.2025 - 5 B 579/25
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Kriminalistik Schweiz
Daniel Jositsch / Fanny de Tribolet-Hardy / Natalija Bogdanovic
Therapie statt Strafe - Teil 1
Ein neuer Ansatz für Ersttäter von Online-Sexualstraftaten zum Schaden von Kindern
Der Beitrag beleuchtet die Hintergründe, Prävalenz und Dynamiken von Online-Sexualstraftaten zum Schaden von Kindern. Er erläutert zentrale Begriffe wie CSAM, Grooming sowie pädo- und hebephile Präferenzmuster, zeigt die Bedeutung des Dunkelfeldes auf und analysiert die einschlägigen strafrechtlichen Tatbestände, insbesondere Art. 197 StGB. Der zweite Teil des Beitrags erscheint in der nächsten Ausgabe und widmet sich den präventiven und therapeutischen Interventionsmöglichkeiten.
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Kriminalistik Campus
Johanna Steiger
Bedeutung und Möglichkeiten der forensischen Linguistik im digitalen Zeitalter
Die forensische Linguistik untersucht die Autorenschaft von Texten im Zusammenhang mit Straftaten. Sie zieht damit Schlüsse aus dem individuellen Sprachgebrauch und dient als Informationsquelle in laufenden Ermittlungen, unter bestimmten Voraussetzungen darüber hinaus als Beweismittel. Mit der Digitalisierung einhergehend haben sich Veränderungen in Quantität und Qualität von Tätertexten ergeben, bis hin zur Nutzung von KI zur Texterstellung. Damit stellt sich die Frage, inwieweit diese Entwicklung die forensische Linguistik beeinflusst. Hierzu führt der folgende Beitrag, eine Hausarbeit im Masterstudiengang "Öffentliche Verwaltung - Polizeimanagement" an der Deutschen Hochschule der Polizei, unter Berücksichtigung strategischer Implikationen aus.
(Redaktion: Joachim Faßbender)
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Lukas Graf von Schwerin
Cybergrooming und die Rolle der Polizei
Gefährlichkeit, Mechanismen und Schutzfaktoren für Kinder und Jugendliche
Die Verfolgung von Straftaten im Internet stellt sich ebenso herausfordernd dar wie deren Prävention. Auch wenn eine sukzessive Anpassung des Strafrechts erfolgt, bleibt das Problem des Massenphänomens in vielen Erscheinungsformen ebenso bestehen, wie die Identifizierung des Straftäters. Dies mag bei sog. Bagatelldelikten hinnehmbar sein, bei Straftaten die die körperliche Integrität betreffen, kann der Staat dagegen sein Schutzversprechen womöglich nicht ausreichend erfüllen. Das Phänomen Cybergrooming, als zielgerichtete Vorbereitungshandlung einer späteren (schwereren) Straftat, wurde zwar 2004 unter Strafe gestellt, gleichwohl stehen den Ermittlungen schnell hohe Hürden entgegen. Ob die geltenden Datenschutzbestimmungen und ihre Anwendung in diesem Kontext die richtige Abwägung zwischen den jeweiligen Schutzinteressen treffen, ist zu hinterfragen. Ungeachtet dessen existieren eine Reihe weiterer Möglichkeiten, insbesondere um die Prävention und den Schutz der betroffenen Bevölkerungsgruppe zu verbessern, wie der nachfolgende Beitrag, welcher als Hausarbeit im Rahmen des Masterstudiengangs "Öffentliche Verwaltung - Polizeimanagement" an der Deutschen Hochschule der Polizei entstanden ist, aufzeigt. Zuvor wird das Phänomen begrifflich eingeordnet und beschrieben.
(Redaktion: Joachim Faßbender)
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