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Editorial der Ausgabe Dezember 2025

Verehrte Leserinnen und Leser,

die letzte Ausgabe des Jahres beginnt mit einem kriminologisch/kriminalistischen Teil. Zunächst wird im Beitrag von Willmes und Lapp das innovative EU‑Projekt "Prevent & Protect Through Support (2PS)" - übersetzt etwa "Prävention und Schutz durch Unterstützung" - vorgestellt, das der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern dient. Ettmann beschäftigt sich sodann mit der Frage, ob man Kriminalität als soziales Konstrukt beschreiben kann, indem sie den konstruktivistischen Ansatz der Diskursanalyse in der Kriminologie vorstellt.

Der Beitrag von Bräuer/Frey/Wiersich weist auf neue Wege bei der Personalakquise in spezialisierten Bereichen hin. Baumjohann und Benecke zeigen anhand der Bearbeitung eines konkreten Falles auf, dass nicht nur die gesicherten Spuren für die Bearbeitung der Fragestellungen von Bedeutung sein können, sondern auch solche, die nicht vorhanden sind.

Bitzigeio und Gasch berichten von der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik e.V. (DGfK), die im Oktober in Freiburg stattfand. Aktuelle Themen aus der Kriminalistik und deren Bezugsdisziplinen waren diesmal u.a. Aufgabenschwerpunkte und Entwicklungslinien bei Europol, Probleme der internationalen Schleusungskriminalität, Staatsschutzverfahren als Strafverfahren mit besonderen Herausforderungen, forensische RNA-Analyse und Begutachtung auf Aktivitätenebene sowie die Sicherung und Auswertung digitaler Fahrzeugdaten.

Kaya befasst sich mit der schwierigen rechtlichen Frage der Abgrenzung von Vorsatz und Fahrlässigkeit, indem er einen systematischen Überblick über die Abgrenzungsversuche im deutschen Recht und in anderen Rechtsordnungen gibt. Dabei zeigt er auf, dass die fehlende Definition im Gesetz nicht das eigentliche Problem darstellt. Hahn und Becker-Wendel beschreiben die Motivation von Wirtschaftskriminellen und leiten daraus Präventionsstrategien gegen Betrugshandlungen ab. Anspruch und Realität der grenzüberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit im Schengen-Raum wird von Walter vor dem Hintergrund der derzeitigen sicherheitspolitischen Diskussion um die Bewältigung der Asyl- und Migrationsproblematik untersucht.

Der Beitrag der Schweizer Redaktion von Bogdal/Koller/Küffer/Wyss befasst sich mit der Frage, wie Kunstfälschungen aus kriminalistischer, naturwissenschaftlicher und juristischer Perspektiven durch die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Forensik und Staatsanwaltschaft verfolgt und verhindert werden können. Der Campus-Teil widmet sich kriminologisch/kriminalistischen Fragen. Er beginnt mit dem Beitrag von Deml mit einer kriminalistischen Betrachtung der Rolle der Polizei im Zusammenhang mit Sterbehilfe unter Berücksichtigung der Rechtslage seit dem Urteil des BVerfG von 2020. Im zweiten Campus-Beitrag beschäftigt sich Ehmer mit der Frage ob "Counter Narratives" Desinformationen wirksam begegnen können, indem sie beispielsweise Fakten darstellen, Informationen einordnen und emotionale Verknüpfungen schaffen.

Joachim Faßbender, Prof. Dr. Sigmund P. Martin
Chefredaktion