Editorial der Ausgabe Juli 2026
Verehrte Leserinnen und Leser,
vermehrt auftretende schwere Straftaten von unter 14-Jährigen haben die Debatte zur Verschärfung des Jugendstrafrechts bspw. durch Absenkung der Altersgrenze für Minderjährige im Strafrecht befeuert, wie die Genese der vom Bund beabsichtigten Studie zu Ursachen der gestiegenen Kinder- und Jugendgewalt belegt. Soujon zeigt in seinem Beitrag die damit verbundenen Implikationen auf und sieht die Notwendigkeit einer breit angelegten interdisziplinären Beteiligung im Reformprozess. In Ihrem Literaturreview zu Mehrfach- und Intensivtäterschaft bei Jugendlichen weisen Bonensteffen und Lapp u.a. auf die im Vergleich weniger wirksamen strafenden Maßnahmen, insbesondere aber auf weiterhin bestehenden Forschungsbedarf hin.
Anhand eines konkreten Tötungsdelikts diskutiert Marquardt u.a. den strafrechtlichen Umgang mit psychisch Beeinträchtigten im Strafverfahren sowie Femizide in Trennungsfällen und spricht Empfehlungen für das Ermittlungsverfahren aus. Roiger und Schedel-Stupperich befassen sich in ihrem Beitrag vor dem Hintergrund der Verschärfung des PsychKG mit Gefährlichkeitsprognosen für Menschen mit Störungen der Intelligenzentwicklung und plädieren für eine Vernetzung relevanter Fachdienststellen.
Zu ideologischer Subversion und verdeckten Einflussoperationen russischer Geheimdienste in Deutschland erfolgt im dritten Teil der Serie eine qualitative Betrachtung. Dabei werden anhand einzelner Operationen Vorgehensweisen beleuchtet und konkrete Auswirkungen auf das gesellschaftspolitische System Deutschlands dargestellt.
Dietsch widmet sich in Ihrem Beitrag der Frage, welche Rolle Frauen im Extremismus einnehmen und stellt anhand ideologieübergreifender Analysen ihre Bedeutung innerhalb der verschieden Extremismen aber auch darüber hinaus sowie daraus abzuleitende Schlussfolgerungen für die Praxis dar.
Die Identifizierung von Personen anhand von Bildmaterial erweist sich insbesondere bei unzureichender Bildqualität als Herausforderung. Mit der Betrachtung der forensischen Ganganalyse geht Adiarte der Frage nach, inwieweit diese Methode Fähigkeitslücken schließen kann. Die Kriminalanalyse nimmt nicht nur aufgrund wachsender Datenmengen eine zunehmende Rolle in der Kriminalitätsbekämpfung ein. Birrer und Auderset untersuchen die Situation in der Schweiz und zeigen bestehenden Handlungsbedarf auf.
Den Campus-Teil eröffnet Baumann mit der Diskussion zivilgesellschaftlichen Engagements in der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität anhand des Vereins mafianeindanke e.V. während sich Roos mit Bekämpfungsansätzen der EU zur Eindämmung der Schleusungskriminalität befasst.
Joachim Faßbender, Prof. Dr. Sigmund P. Martin
Chefredaktion
