Logo C.F. Müller

Editorial der Ausgabe Februar 2026

Verehrte Leserinnen und Leser,

Kryptowährungen oder - weiter formuliert - Kryptowerte gelten allgemein als große kriminalistische Herausforderung. Auch unser erster Aufsatz des Februarheftes von Ebel spricht diese Herausforderung in seinem Untertitel an und zeigt auf, welche bedeutende Rolle Kryptowerte in globalen Finanzströmen und bei Finanzermittlungen spielen. Diesen muss z.B. in der Krypto-Forensik mit grundlegend anderen Methoden als den traditionellen begegnet werden. Neue kriminalistische Erkenntnisse gibt es aber nicht nur in Zusammenhang mit neuen Technologien, sondern auch mit klassischen Phänomenen - wie dem lagebedingten Erstickungstod (LET). Feltes, Dettmeyer und Roos erläutern aktuelle polizeiliche, medizinische und rechtliche Aspekte zu dieser Todesverursachung und geben Hinweise, wie der LET verhindert werden kann.

Um eine ganz andere Unterdisziplin der Kriminalistik geht es im Beitrag von Chevalier und Wittmann. Die Autorinnen befassen sich mit kriminalistischer Psychologie und untersuchen die Frage, welche Denk- und Entscheidungsfehler aufseiten der Ermittlerinnen und Ermittler - insbesondere im Umgang mit komplexen und unsicheren Ermittlungssituationen - auftreten können.

Welches Ausmaß die Kriminalitätsfurcht in der Gesellschaft erreicht und welche Faktoren dafür maßgeblich sind, ist eine generell immer wieder gestellte Frage. Gluba und Boll stellen diese Frage spezieller im Hinblick auf die Furcht vor Clankriminalität in Niedersachsen. Dabei geht es neben dem Umfang der kriminellen Aktivitäten vor allem darum herauszufinden, inwieweit sie sich hinsichtlich einzelner Merkmale, die für eine besondere Schwere oder Qualität stehen können, von der übrigen Kriminalität unterscheidet und wie sie insoweit wahrgenommen werden kann.

Alkan-Mewes stellt die Kunst der Vernehmung vor, indem er aus rechtspsychologischer Perspektive beschreibt, wie eine sachgerechte Vernehmung die Aussageanalyse unterstützen kann. Herden, Pfeiffer und Bannenberg liefern - im ersten ihres auf zwei Teile angelegten Beitrags - vor dem Hintergrund eines skizzierten defizitären nationalen Forschungsstands eine Bestandsaufnahme zur Wirkung von Waffenverbotszonen an Kriminalitätshotspots.

Die am 24.7.2025 in Kraft getreten Änderungen im BKAG, die insbesondere "Besondere Mittel der Datenerhebung bei Kontaktpersonen" (§ 45 I S. 1 Nr. 4 BKAG), "Besondere Regelungen für die Weiterverarbeitung personenbezogener Daten im polizeilichen Informationsverbund" (§ 30a BKAG) und "Aussonderungsprüffristen und Mitteilung von Löschungsverpflichtungen" (§ 77 VII, VIII BKAG) betreffen, werden von Reuter vorgestellt.

Der Beitrag der Schweizer Redaktion von Jositsch, de Tribolet-Hardy und Bogdanovic beschreibt unter dem Titel "Therapie statt Strafe" einen neuen Ansatz für Ersttäter von Online-Sexualstraftaten zum Schaden von Kindern. Im vorliegenden ersten Teil geht es um die Hintergründe und die zentralen Begriffe im Zusammenhang mit dieser Art von Straftaten. Der Campus-Teil besteht aus Aufsätzen, denen jeweils eine Hausarbeit im Masterstudiengang "Öffentliche Verwaltung - Polizeimanagement" an der Deutschen Hochschule der Polizei zugrunde liegt. Er beginnt mit dem Beitrag von Steiger über die Bedeutung und Möglichkeiten der forensischen Linguistik im digitalen Zeitalter. Im zweiten Campus-Beitrag beschäftigt sich Graf von Schwerin mit dem Phänomen des Cybergrooming und der Rolle, die die Polizei bei dessen effektiver Bekämpfung spielen kann.

Joachim Faßbender, Prof. Dr. Sigmund P. Martin
Chefredaktion