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Tatmittel Messer

 

Editorial der Ausgabe Mai 2018


Verehrte Leserinnen und Leser,


Mitte April titelte die Bild-Zeitung online mehrfach mit Schlagzeilen wie Messer-Wahnsinn in Deutschland – zahlreiche Verletzte, vier Tote; Messer-Angst in Deutschland- bis zu 300 Prozent mehr Angriffe; Polizei schlägt Alarm, Sieben Messer-Attacken pro Tag allein in Berlin. Die Berichterstattung wurde durch eine Blutige Liste begleitet und mit Zitaten omnipräsenter Polizeigewerkschaftler untermauert, die die Einschätzung einer Zunahme teilten und eine Erhöhung der Mindeststrafen forderten. Ob es wirklich mehr Messerattacken gibt oder ob dies nur „gefühlt“ ist, lässt sich leider nicht über die PKS, sondern nur über Sonderauswertungen oder wissenschaftliche Untersuchungen klären. Prof. Dr. Dirk Baier und Marie Christine Bergmann haben in Ermangelung verlässlicher Daten auf niedersachsenweit durchgeführte Schülerbefragungen zurückgegriffen und zusätzlich mögliche Einflussfaktoren des Messertragens untersucht . In den Vergleichszeiträumen 2013 und 2015 ist hier ein signifikanter Anstieg, primär bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, festzustellen. Jeder fünfte Befragte führt „mindestens selten“ ein Messer mit sich.

Ein erster Schritt zu einer Versachlichung der Diskussion muss eine Sonderauswertung bzw. Differenzierung in der PKS nach „Stichwaffen“ sein, was in Österreich und in der Schweiz längst erfolgt. Unverzichtbar sind auch breitere Informationen über Tathintergründe und Täter. Schließlich wissen wir, dass leicht verfügbare Tatwerkzeuge wie Kraftfahrzeuge oder Messer nicht nur in der Propaganda islamistischer Täter, sondern auch generell bei „Männlichkeitsritualen“ in bestimmten Kulturkreisen eine besondere Rolle spielen. Umfassende ursachenorientierte Präventionsstrategien und Risikoeinschätzungen sind erforderlich, beispielsweise in Anlehnung an Amoktaten, wie sie Prof. Dr. Britta Bannenberg in ihrem Aufsatz über Risikokriterien für junge und erwachsene Täter beschreibt. Isolierte Maßnahmen wie das Verbot legaler Schusswaffen oder die Herausnahme von Messern aus den Regalen eines Supermarktes sind eher Ausdruck eines der Hilflosigkeit geschuldeten Aktionismus als durchdachter Strategien und Konzepte.

Mehr denn je gefordert sind wissenschaftlich fundierte Befunde als Grundlagen einer evidenzorientierten Kriminalprävention. Um diese für die praktische Umsetzung zu entwickeln, wurde nach langen Geburtswehen vor zwei Jahren das „Nationale Zentrum für Kriminalprävention (NZK) ins Leben gerufen. Ein im März herausgebrachter Sammelband gibt erstmals umfassende Einblicke in den aktuellen Sachstand breit angelegter Kriminalprävention. Darin enthalten ist auch der Aufsatz von Gerhard Klotter und Andreas Mayer, die effizienzorientierte Qualitätssicherung am Beispiel des „Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ aufzeigen. Wunsch und Wirklichkeit kultursensibler Polizeiarbeit am Beispiel von Todesermittlungen beschreiben Katharina Engelhardt und Prof. Dr. Bettina Franzke. Deeskalationen zu vermeiden, ist nicht nur ein Merkmal von Professionalität, sondern auch ein wichtiger Präventionsansatz. Wie breit Prävention zu verstehen und aufgestellt ist und wie sie evidenzorientiert umgesetzt werden sollte, wird einmal mehr der 23. Präventionstag im Juni in Dresden zeigen.

Ihr
Bernd Fuchs
Chefredakteur


KRIMINALISTIK Zeitschrift

 

Bereits im 72. Jahr erscheint KRIMINALISTIK als Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt monatlich Themen wie Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Die Rubriken Recht Aktuell und Literatur sowie die Redaktionen Schweiz, Österreich und KRIMINALISTIK-Campus runden den Inhalt ab.



KRIMINALISTIK Online

 

Auf KRIMINALISTIK Online finden Sie neben den Inhaltsverzeichnissen und Editorials die Abstracts der Fachartikel. Die Leitsätze der im Heft kommentierten Rechtsprechung, meist verlinkt zu den Volltexten der Gerichtsentscheidungen, und Buchbesprechungen im Wortlaut runden das Online-Angebot ab. Unser Archiv reicht zurück bis ins Jahr 1999. Sie können es im Online- oder Print-Online-Abo nutzen oder einzelne Artikel als PDF kaufen.

KRIMINALISTIK Verlag

 

Die Zeitschrift KRIMINALISTIK erscheint im gleichnamigen Verlag. Er wurde 1926 gegründet und bietet Fachliteratur für die kriminalistische Ausbildung, Praxis und Wissenschaft. Die Schwerpunkte der Buchreihe Grundlagen der Kriminalistik liegen auf den Gebieten Kriminalistik, Polizeipraxis, Kriminologie, Recht, öffentliche und private Sicherheit. Das Programm des Kriminalistik Verlages finden Sie unter www.cfmueller.de/kriminalistik.

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