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Gewaltkriminalität – „Facts“ und „Fakes“

 

Verehrte Leserinnen und Leser,

Ende April wurde der Bericht der Innenministerkonferenz über die Kriminalitätsentwicklung 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Wird das Zahlenwerk eher zu einer jährlich wiederkehrendenden Chronistenpflicht für Fachleute oder sollte es brisante Entwicklungen für politische und mediale Schlagzeilen liefern? Insgesamt 30 von 149 Seiten des Jahresberichts beschäftigen sich in einem mit „Im Focus“ überschriebenen eigenen Kapitel mit den drei Themenbereichen Kriminalität und Zuwanderung, Gewaltkriminalität sowie Wohnungseinbruchdiebstahl. Einem Rückgang der Fallzahlen bei Letzterem von 9,5 Prozent steht eine Zunahme von 6,7 Prozent bei der Gewaltkriminalität gegenüber. Die hier ermittelten 181.509 Tatverdächtigen bedeuten eine Zunahme von 9,2 Prozent, davon bei Nichtdeutschen ein Plus von 25,5 Prozent. Die Anzahl tatverdächtiger „Zuwanderer“ lag bereinigt bei 174.438, was einer Zunahme von 52,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese „Facts“ bestimmen seither im Wesentlichen die Diskussion. Dass dabei auch Unkenntnis, Beliebigkeit oder bewusste „Fakes“ maßgeblichen Einfluss auf die Meinungsbildung haben, überrascht nicht.

Mittlerweile ist in Teilen sogar die linksliberale Presse bereit, Versäumnisse einzugestehen und „Facts“ anzuerkennen, z. B. das Frustrations- und Aggressionspotential der „unbegleiteten männlichen Ausländer/Flüchtlinge (UMA)“, die islamistischen Anschläge sowie die Risiken der unkontrollierten Zuwanderung. Die Lösungsansätze werden dann gerne auf das Zauberwort „Integration“ reduziert, wobei die Protagonisten keine oder eine völlig unrealistische Vorstellung über den Begriff an sich und die Umsetzbarkeit haben. Eine nur fördernde und nicht fordernde Integration von mindestens 1,2 Millionen in den letzten beiden Jahren eingereisten Aufenthaltssuchenden kann nicht gelingen. Sogar die Bundeskanzlerin hat mittlerweile eine „nationale Kraftanstrengung“ angekündigt: Wer als Schutzbedürftiger einen Aufenthaltstitel habe, müsse integriert werden, wer nicht, müsse unser Land wieder verlassen. Bis zum Jahresende wird die Anzahl der bekannten ausreisepflichtigen Menschen in Deutschland bei rund 485.000 liegen.

Neben einer funktionierenden Repression kann nur die Prävention von Kriminalität und Gewalt Fehlentwicklungen wirksam vorbeugen. Zu dieser Einschätzung kam die Gewaltkommission der Bundesregierung schon vor 25 Jahren. Stephan Voß und Erich Marks berichten über ein Symposium „25 Jahre Gewaltprävention“ in Deutschland. Die dort erfolgte Bestandsaufnahme und die aufgezeigten Perspektiven sollten die Grundlage künftiger gewaltpräventiver Arbeit bilden.
 
Durch gesetzgeberische Maßnahmen versucht die Politik, die Rechtslage und die Befugnisse der Ermittlungsbehörden den Erfordernissen neuer Entwicklungen anzupassen. Schon seit Jahren ist die Videoüberwachung permanent Gegenstand öffentlicher Diskussion. Aktuell soll diese auf öffentlich zugängliche großflächige Anlagen und den öffentlichen Personenverkehr ausgeweitet werden. Dass damit islamistische Anschläge eher nicht verhindert werden können, zeigt Claudia Müller auf. Der gewichtigere Teil der Wahrheit sind aber die „Facts“ aus einer Vielzahl von Beispielen, wo Videoaufnahmen zu einer schnellen Täterfestnahme und damit zur Verhinderung von Folgetaten wesentlich beitrugen. Die zukünftige Diskussion wird allerdings über die heute schon weit fortgeschrittenen Möglichkeiten der automatisierten Bilder- und Gesichtserkennung geführt werden. Eine spannende Abwägung zwischen Grundrechten und dem „Leidensdruck“ zunehmender Gewaltkriminalität zeichnet sich ab.

Ihr
Bernd Fuchs
Chefredakteur


KRIMINALISTIK Zeitschrift

 

Bereits im 70. Jahr erscheint KRIMINALISTIK als Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt monatlich Themen wie Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Die Rubriken Recht Aktuell und Literatur sowie die Redaktionen Schweiz, Österreich und KRIMINALISTIK-Campus runden den Inhalt ab.



KRIMINALISTIK Online

 

Auf KRIMINALISTIK Online finden Sie neben den Inhaltsverzeichnissen und Editorials die Abstracts der Fachartikel. Die Leitsätze der im Heft kommentierten Rechtsprechung, meist verlinkt zu den Volltexten der Gerichtsentscheidungen, und Buchbesprechungen im Wortlaut runden das Online-Angebot ab. Unser Archiv reicht zurück bis ins Jahr 1999. Sie können es im Online- oder Print-Online-Abo nutzen oder einzelne Artikel als PDF kaufen.

KRIMINALISTIK Verlag

 

Die Zeitschrift KRIMINALISTIK erscheint im gleichnamigen Verlag. Er wurde bereits 1926 gegründet und bietet Fachliteratur für die kriminalistische Ausbildung, Praxis und Wissenschaft. Die Schwerpunkte der Buchreihe Grundlagen der Kriminalistik liegen auf den Gebieten Kriminalistik, Polizeipraxis, Kriminologie, Recht, öffentliche und private Sicherheit. Zum Programm des Kriminalistik Verlages geht es hier: www.cfmueller.de/kriminalistik.

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