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Digitaler Narzissmus

 

Verehrte Leserinnen und Leser,

 

immer mehr Menschen sind immer häufiger und immer länger online. Sie bestimmen mit dem ständigen Blick auf Smartphones unser Alltagsbild. Nahezu alle Altersgruppen nutzen die angebotenen Apps und die Sozialen Medien auf vielfältige Art und Weise, beruflich und privat, zur bloßen Unterhaltung, zur Kommunikation oder für Geschäfte aller Art. Längst wird der virtuelle Raum auch von Kriminellen intensiv genutzt. Präventive Gegenstrategien beschränken sich in aller Regel auf allgemeine Gefahrenhinweise, vernachlässigen aber weitgehend den Faktor Mensch mit seiner Sorglosigkeit und Unbedarftheit.

Verstärkt wird die Anfälligkeit durch das Phänomen des digitalen Narzissmus. Eine solchermaßen überzogene Selbstpräsentation auf der Suche nach Selbstbestätigung und Anerkennung gilt als möglicher Erklärungsansatz für Opferprädispositionen auch beim Romancescamming. Prof. Dr. Konstanze Marx und Thomas-Rüdiger Gabriel betrachten aus kriminologisch-linguistischer Sicht diese moderne Kriminalitätsform, die die Prinzipien des traditionellen Heiratsschwindels auf die Interaktion in Sozialen Medien überträgt. Die Sehnsucht nach Nähe kann von den Tätern für finanzielle Gewinne genutzt werden, ohne dass es überhaupt zu persönlichen Kontakten kommen muss. Die Anonymität und der Verlust der räumlichen Dimension werden zu einer besonderen Gefahr für Kinder und Jugendliche, die oft ohne Kenntnis der Eltern mit ihrem digitalen Narzissmus und der Selbstdarstellung im Netz Tätern mit sexuellen Absichten die Türen öffnen und neuartige Deliktsformen entstehen lassen. Zwei Beispiele sind Gegenstand weiterer Aufsätze: Täter- und Opfertypologien von Cybergrooming sowie Interventionsmöglichkeiten werden von Gregor Böhme ausführlich dargestellt. Die Entwicklungen und die Folgen für die polizeiliche Prävention im Bereich Cyberbullying beschreibt Jörg Paulsen. Als roter Faden ziehen sich durch diese und verwandte Phänomene das Fehlen einer einheitlichen Definition sowie Defizite in der wissenschaftlichen Forschung. Wie sollen aber Prävention und Intervention auch nur ansatzweise erfolgreich gestaltet werden, wenn es bereits an diesen essentiellen Grundlagen fehlt?

Äußerst dürftig ist nach wie vor unser empirisch belastbarer Wissensstand über das komplexe Spektrum des islamistisch-salafistischen Terrorismus. Dr. Stefan Goertz untersucht, was „den“ islamistischen Terroristen formt und welche der zahlreichen Einflussfaktoren im jeweiligen individuellen Radikalisierungsprozess Wirkung entfalten. Dr. Michail Logvinov kommt in seiner nach dem 11. September 2001 beginnenden Auswertung zum Ergebnis, dass speziell in Deutschland hypothesenbildende Forschung, evidenzbasierte Diskussionen und Hypothesenkorrekturen kaum stattfinden. Er sieht „auffällige Verschiebungen“ bei den vermuteten Radikalisierungsfaktoren. Astrid Bötticher greift in einer Replik die Diskussion aus Heft 2/17 um die Begriffe Radikalismus und Radikalisierung auf und kommt in Anlehnung an die Biografien der Attentäter in Deutschland zum Ergebnis, dass solche „Gefährder“ eher mit dem Handlungsinstrumentarium der Sozialen Arbeit erreichbar seien, während sie für die Sicherheitskräfte schwer einzuschätzen wären. Letzteres wird leider auf tragische Weise durch das Totalversagen verschiedenster Behörden und der Politik mit einer Reihe von Beispielfällen, besonders dem Berliner Attentäter, belegt. Ob allerdings ein präventiver Ansatz im Vorfeld mit Sozialarbeit allein ein wirkungsvolleres Mittel sein kann, muss schon vor dem Hintergrund der ganz überwiegend gescheiterten, nach wie vor blauäugigen Flüchtlings- und Integrationspolitik bezweifelt werden.

Ihr
Bernd Fuchs
Chefredakteur


KRIMINALISTIK Zeitschrift

 

Bereits im 70. Jahr erscheint KRIMINALISTIK als Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt monatlich Themen wie Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Die Rubriken Recht Aktuell und Literatur sowie die Redaktionen Schweiz, Österreich und KRIMINALISTIK-Campus runden den Inhalt ab.



KRIMINALISTIK Online

 

Auf KRIMINALISTIK Online finden Sie neben den Inhaltsverzeichnissen und Editorials die Abstracts der Fachartikel. Die Leitsätze der im Heft kommentierten Rechtsprechung, meist verlinkt zu den Volltexten der Gerichtsentscheidungen, und Buchbesprechungen im Wortlaut runden das Online-Angebot ab. Unser Archiv reicht zurück bis ins Jahr 1999. Sie können es im Online- oder Print-Online-Abo nutzen oder einzelne Artikel als PDF kaufen.

KRIMINALISTIK Verlag

 

Die Zeitschrift KRIMINALISTIK erscheint im gleichnamigen Verlag. Er wurde bereits 1926 gegründet und bietet Fachliteratur für die kriminalistische Ausbildung, Praxis und Wissenschaft. Die Schwerpunkte der Buchreihe Grundlagen der Kriminalistik liegen auf den Gebieten Kriminalistik, Polizeipraxis, Kriminologie, Recht, öffentliche und private Sicherheit. Zum Programm des Kriminalistik Verlages geht es hier: www.cfmueller.de/kriminalistik.

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