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Inhalt der Ausgabe Dezember 2017

 

 

Fachartikel

 

Gewaltkriminalität

Rechtsterrorismus statt Amoklauf
Eine notwendige Neubewertung des Attentats von München am 22. Juli 2016 (siehe Foto auf der Startseite)
Von Dr. Florian Hartleb

Islamistischer Terrorismus

Mögliche islamistisch-terroristische Angriffs bzw. Anschlagsziele
worst case-Szenarien und mögliche Abwehrmittel
Von Dr. Stefan Goertz

Internationaler Terrorismus

Terrorismusfinanzierung
Teil 2: Die Bedeutung der Parallelbankensysteme
Von Dr. iur. Dr. rer. pol. Fabian Teichmann

Internetaufklärung

Mehr Sicherheit im Einsatz durch gezielte Internetaufklärung in Leitstellen
Das Forschungsprojekt SENTINEL der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPOL)
Von Günther Epple, Ingo Dudenhausen, Robert Kahr und Franziska Ludewig

Prävention

Prävention und Integration
Bericht über den Deutschen Präventionstag 2017 in Hannover
Von Erich Marks und Dr. Wiebke Steffen†

Kriminalpolitik

Neuere ausufernde Strafgesetzgebung
Von Prof. em. Dr. Arthur Kreuzer

Polizeiliches Management

Moral und Loyalität in der polizeilichen Praxis
Von Rudi Heimann

Kriminalistik Schweiz

Terrorismusfinanzierung
Teil 1: Finanzierung des Terrorismus über Schweizer Banken – Konkrete Vorgehensweisen
Teil 2: Eignung und Entdeckungsrisiken der Terrorismusfinanzierung über Schweizer Banken
Von Dr. iur. Dr. rer. pol. Fabian Teichmann

 


 

 

 

 

 

Kriminalistik Campus

 

Teamzusammenhalt und polizeiliches Handeln in einer Einwanderungsgesellschaft
Fallbeispiele zur interkulturellen Kompetenz, Teil 2
Von Prof. Dr. Bettina Franzke

Die Arbeitsgruppe „DIDAktik – Kooperation Hochschuldidaktik Polizei“
Von Dr. Monika Pientka

Grenzen digitalen Lernens in der Polizeiausbildung
Erfahrungen mit der Methode „Flipped Classroom“ bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei
Von Prof. Dr. Doris Lewalter, Dr. Stephanie Moser, Dr. Albin Muff und Tanja Thurner

 

 

 

 

Recht aktuell

 

Polizei- und ordnungsrechtliche Maßnahmen gegen sog. Reichsbürger


Versuchter Diebstahl


Durchsuchung aufgrund eines anonymen Hinweises

 

 

 

 

 

Literatur

 

Lehrbuch im klassischen Sinne
Bernd Heinrich: Strafrecht Allgemeiner Teil

Unentbehrliche Arbeitshilfe
Erich Göhler, Ordnungswidrigkeitengesetz

 

 

 




 

 

Fachartikel

 

Rechtsterrorismus statt Amoklauf
Eine notwendige Neubewertung des Attentats von München am 22. Juli 2016
Von Florian Hartleb
Die Tat des David S. vom 22. Juli 2016 wird bislang nicht als politisch-rechtsextremistisch eingestuft, als unpolitischer Amoklauf interpretiert. Wer die Fakten zu einem Täterbild zusammenfügt, sieht alle Kriterien eines Rechtsterroristen im Sinne eines einsamen Wolfes erfüllt. Der Deutsch-Iraner David S. plante seine Anschläge über ein Jahr minutiös, absolvierte Schießübungen, besorgte sich eine Waffe über das Darknet. Er verfasste ein Bekennerschreiben, fantasierte über ein Anschlagsteam und über das Ziel, sein Vaterland „München“ zu schützen. Auch seine Opferauswahl war ideologisch: Alle Getöteten waren Migranten. Besonders perfide war, dass er mit einem gefakten Facebook-Account eines türkischen Mädchens bestimmte ethnische Gruppen anlocken wollte. Die persönliche, individualisierte Kränkungsideologie, angereichert mit kruden Bestandteilen, macht gerade den Einsamer-Wolf-Terrorismus aus. Es erstaunt, dass das offizielle Motiv auf ein einstiges Schulmobbing – später war der stets aggressive David S. sogar Klassensprecher – zurückgeführt wird. Zumal sich psychische Störungen und rassistisches Handeln gar nicht ausschließen.


Mögliche islamistischterroristische Angriffs‑ bzw. Anschlagsziele
worst case-Szenarien und mögliche Abwehrmittel
Von Stefan Goertz
Bereits die – beinahe gleichzeitigen – islamistisch-terroristischen Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi, Kenia, und Daressalam, Tansania am 7.8.1998 – mit 257 Toten und über 5000 Verletzten –, der islamistisch-terroristische Anschlag auf das US-Kriegsschiff USS Cole im jemenitischen Hafen von Aden am 12.10.2000 – ein mit Sprengstoff beladenes Schlauchboot riss ein metergroßes Loch in den Rumpf des Schiffs, 17 US-Soldaten wurden getötet – sowie die islamistisch-terroristischen Anschläge mit Flugzeugen in den USA am 11.9.2001 zeigen, dass die (US-amerikanischen) Sicherheitsbehörden solche worst case nicht vorausgedacht bzw. vorhergesehen haben. Um ein Vorausdenken bzw. Vorhersehen von worst case-Szenarien islamistisch-terroristischer Angriffe, Anschläge und Attentate geht es in diesem Beitrag. In Bezug auf die Verfügbarkeit von Wirkmitteln für Terroristen und Verwundbarkeit von Anschlagszielen werden hier high profile-Anschlagsziele wie Flugzeuge, Atomkraftwerke und Gebäude von Staatsorganen bewusst ausgespart, weil die Anschlagswahrscheinlichkeit bei Schiffen/Fähren/Tankern sowie Kindergärten und Schulen erheblich höher als bei high profile-Anschlagszielen ist.


Terrorismusfinanzierung
Teil 2: Die Bedeutung der Parallelbankensysteme
Von Fabian M. Teichmann
Da Parallelbankensysteme naturgemäss weder reguliert, noch kontrolliert werden, spielen sie eine entscheidende Rolle im Bereich der Finanzierung des Terrorismus. Parallelbanker verzichten auf Compliance Massnahmen und erstatten keine Meldung an die zuständigen Behörden bei Verdachtsfällen. Dies insbesondere im Hinblick darauf, dass sie sich im Rahmen von Meldungen selbst belasten würden. Schliesslich haben sie keine Bewilligung für die Ausübung ihrer Tätigkeit als Finanzdienstleister. Der vorliegende Artikel basiert auf 15 informellen Gesprächen mit illegalen Finanzdienstleistern und 15 Experteninterviews mit Präventionsspezialisten und beschäftigt sich mit der Eignung von Parallelbankensystemen für die Terrorismusfinanzierung. Insbesondere wird aufgezeigt, wie geschickte Täter konkret vorgehen könnten. Dabei werden auch Entdeckungsrisiken berücksichtigt.

Zu Teil 1 der Beitragsserie im Kriminalistik 11/2017


Mehr Sicherheit im Einsatz durch gezielte Internetaufklärung in Leitstellen
Das Forschungsprojekt SENTINEL der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPOL)
Von Günther Epple, Ingo Dudenhausen, Robert Kahr und Franziska Ludewig
Die Nutzung digitaler Medien zur Kommunikation und Information ist für den Großteil der Deutschen zur Normalität geworden. Zu den wesentlichen Erkenntnissen des im Juni 2017 beendeten Forschungsprojektes SCARSOME der DHPOL zählt der wissenschaftliche Nachweis darüber, dass digitale Medien auch von Personen aus kriminellen Milieus intensiv genutzt werden und daraus eine nicht unerhebliche taktische Relevanz Sozialer Medien für die Bewältigung von Einsatzlagen der Schwerkriminalität begründet werden kann. Das neue Forschungsprojekt SENTINEL untersucht nun auch im alltäglichen Einsatzgeschehen der Polizei folgende Hypothese: „Bei einer Vielzahl von Einsatzlagen des täglichen Dienstes, wie z. B. Fahndungslagen, Gewalt im sozialen Nahraum, Straßenkriminalität etc. können durch die Nutzung von Open-Source-Intelligence (OSINT) einsatzrelevante Informationen erlangt werden, die zu einem besseren Schutz der Einsatzkräfte und der Bevölkerung sowie zu einer professionelleren Aufgabenbewältigung beitragen können.“


Prävention und Integration
Bericht über den Deutschen Präventionstag 2017 in Hannover
Von Erich Marks und Wiebke Steffen†
Am 22. Deutschen Präventionstag, der am 19. und 20. Juni 2017 in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Stephan Weil stattfand, haben insgesamt über 3000 Teilnehmende und Gäste teilgenommen, darunter auch zahlreiche internationale Expertinnen und Experten aus insgesamt 45 Staaten. Das Schwerpunktthema des diesjährigen Jahreskongresses lautete „Prävention & Integration“.


Neuere ausufernde Strafgesetzgebung
Wo bleiben die kriminalpolitischen Tugenden?
Von Arthur Kreuzer
Goldene Zeiten moderner Kriminalpolitik waren die 1960er/1970er Jahre. Reformgesetze des Strafrechts waren wohldurchdacht, rechtsstaatlich, maßvoll – also verhältnismäßig – general‑ und individualpräventiv – also nicht primär vergeltend – ausgerichtet. Strafe sollte „ultima ratio“ sein. Strafrechtsausweitungen der letzten Zeit lassen sie eher zur „prima ratio“ werden. Die Strafgesetzgebung der „Großen Koalition“ vernachlässigte kriminalpolitische Grundsätze und auch Gebote handwerklich guter Gesetzgebungsarbeit. Sie schuf nahezu seriell Strafgesetze und Strafschärfungen als vermeintlichen Nachweis politisch verantwortungsvoller Antworten auf aktuelle Herausforderungen. Beispielhaft wird das kritisch dargelegt anhand von neun Strafrechtsausweitungen der letzten drei Jahre – wie der Gesetze zu Förderung von Selbsttötungen, Sexualdelikten, Sportdoping, Terrorismus, Wohnungseinbruch oder Straßenverkehrsrecht.


Moral und Loyalität in der polizeilichen Praxis
Von Rudi Heimann
Nahezu sämtliche polizeilichen Lagen weisen u. a. Merkmale wie Intransparenz, unbekannte Variablen, hohe dynamische Entwicklungen, Informationsdefizite, Handlungsdruck auf; letztlich alles Indizien, die auf eine komplexe Situation hinweisen. Hinzu treten Eigenschaften auf, die die Verantwortungsträger in einem hohen Maß belasten können.
Entscheidungen können irreversibel und unter Umständen sehr weitreichend in ihrer Konsequenz sein. Dass diese Entscheidungen – insbesondere dann, wenn sie weitreichende Folgen haben – dezidiert untersucht werden können, erhöht den Druck auf die Entscheidungsträger. Diese Untersuchungen bestehen nur in einem ersten Schritt aus der versuchten Analyse durch die Medien und damit Auswirkungen auf die öffentliche Meinung. Durch den Eingriff in Bürgerrechte ist der entscheidendere Aspekt eine jederzeit mögliche und nicht selten stattfindende gerichtliche Prüfung durch Verwaltungs- oder Strafgerichte. Zudem stehen auch parlamentarische Untersuchungsausschüsse im Raum, die das Handeln detailliert hinterfragen.


Terrorismusfinanzierung
Teil 1: Finanzierung des Terrorismus über Schweizer Banken – Konkrete Vorgehensweisen
Teil 2: Eignung und Entdeckungsrisiken der Terrorismusfinanzierung über Schweizer Banken
Von Fabian Teichmann
Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit konkreten Vorgehensweisen von Terrorismusfinanzierern. Insbesondere wurde im Rahmen von 30 Interviews mit Präventionsexperten und illegalen Finanzdienstleistern untersucht, wie Terrorismus über Schweizer Banken finanziert werden könnte. Dabei wurden Schwachstellen identifiziert, welche durch gesetzgeberische Massnahmen zumindest teilweise geschlossen werden könnten.





  


 

 

Kriminalistik Campus

 

Redaktion: Carl-Ernst Brisach, Direktor beim BKA a.D.

Liebe Leserinnen und Leser von Kriminalistik-Campus!

In Heft 5/2017 hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass in Kriminalistik-Campus nicht nur Zusammenfassungen gelungener Bachelor-Arbeiten (Kriminalistik, Kriminologie oder Kriminaltechnik) der Studierenden und ggf. ein Vorwort zur inhaltlichen Bewertung/Bedeutung der Arbeit für die Kriminalwissenschaften oder die kriminalistische Praxis durch den, die Arbeit betreuenden Dozenten, sondern auch Beiträge der Dozentinnen und Dozenten aus der Methodik oder Didaktik der Kriminal‑ oder Strafrechtswissenschaften sowie Ergebnisse von (Forschungs-)Projekten der DozentenInnen (ggf. gemeinsam mit den Dienststellen), Fachtagungen an den Hochschulen zur einschlägigen Thematik oder auch zu organisatorischen Fragen i. Z. m. der Gestaltung des Bachelor-Studienganges zur Veröffentlichung gebracht werden können.
Die Idee des Erfahrungsaustauschs zu Methodik und Didaktik sowie zu inhaltlichen und organisatorischen Aspekten aus den Kriminal‑ und Rechtswissenschaften wurde durch eine Vertreterin der „Arbeitsgruppe Kooperation Hochschuldidaktik Polizei – DIDAktik“ aufgegriffen und im Rahmen der Herbstsitzung der AG DIDAktik am 20.10.2017 in Gelsenkirchen diskutiert.
Neben einigen weiteren Anregungen wurde darüber gesprochen, weitere Beiträge in Kriminalistik-Campus im Themenfeld „Methodik/Didaktik“ – möglicherweise in Form von „Stundenbildern“ zu konkreten Themenstellungen, anzubieten. Das könnte für die Fächer „Kriminalistik (KR) und Kriminologie (KL)“, aber auch für einschlägige Themen aus den Bereichen „Strafrecht und Strafprozessrecht“ erfolgen. Die Stundenbilder würden fachlich durch neue Forschungsergebnisse in der KR/KL und ggf. der Rechtsfächer „Strafrecht und Strafprozessrecht“ angereichert werden. Konkret könnte so der fachliche und pädagogische Austausch unter den Lehrenden bereichert werden.
Im vorliegenden Heft 12/2017 finden Sie im „Campus-Teil“ einen Beitrag von Dr. Bettina Franzke, der die Idee des methodisch- didaktischen Austausches aufgreift, bzw. fortführt. Weiterhin stellen Herr Albin Muff u.a. Erfahrungen mit der Methode „Flipped Classroom“ bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Abschließend findet sich ein Beitrag von Frau Dr. Pientka, in dem die Idee und die Arbeit der „AG Methodik/Didaktik (DIDAKtik)“ näher erläutert werden.
Falls die Idee des methodisch-didaktische Austausches bei den Leserinnen und Lesern des „Campus-Teils“ weiterhin aufgegriffen und durch Beiträge unterstützt wird, ist geplant zweimal jährlich hierzu einen Schwerpunkt zu setzen. In den übrigen Heften soll die bestehende Praxis des Abdrucks von Zusammenfassungen gelungener Bachelor-Arbeiten (Kriminalistik, Kriminologie oder Kriminaltechnik) der Studierenden und ggf. ein Vorwort zur inhaltlichen Bewertung/Bedeutung der Arbeit für die Kriminalwissenschaften oder die kriminalistische Praxis durch den, die Arbeit betreuenden Dozenten oder Dozentin beibehalten werden.
Sofern Sie das möchten, steht die Redaktion Kriminalistik- Campus für eine redaktionelle und inhaltliche Beratung sowie für Fragen i. Z. m. dem Zeitpunkt der Veröffentlichung und anderen Anliegen jederzeit zur Verfügung (b-csc@web.de).

Carl-Ernst Brisach

Teamzusammenhalt und polizeiliches Handeln in einer Einwanderungsgesellschaft
Fallbeispiele zur interkulturellen Kompetenz, Teil 2
Von Bettina Franzke, Professur für Interkulturelle Kompetenzen und Diversity-Management, FHöV NRW, Köln
(Zum Teil 1 in Krimninalistik 10/2017)


Die Arbeitsgruppe „DIDAktik – Kooperation Hochschuldidaktik Polizei“
Von Dr. Monika Pientka, Kriminaldirektorin und Sprecherin des Fachbereichs Polizei


Grenzen digitalen Lernens in der Polizeiausbildung
Erfahrungen mit der Methode „Flipped Classroom“ bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei
Von Doris Lewalter, Stephanie Moser, Albin Muff und Tanja Thurner


 

 

 

  


 

 

Recht aktuell

 

Polizei- und ordnungsrechtliche Maßnahmen gegen sog. Reichsbürger

 

1. Ein sog. Reichsbürger, der die Geltung des deutschen Rechts und damit auch die Regelungen des Waffengesetzes (WaffG) in Abrede stellt, ist in der Regel waffenrechtlich unzuverlässig. Unerheblich ist, ob nach seinem Verhalten konkrete Verstöße gegen das WaffG zu erwarten sind.
2. Völlig abwegig erscheinende Erklärungen rechtlicher oder tatsächlicher Art ebenso wie entsprechende Verhaltensweisen eines Fahrerlaubnisinhabers außerhalb des Straßenverkehrs begründen für sich allein gesehen grundsätzlich keine hinreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine die Fahreignung beeinträchtigende Gesundheitsstörung. Dies gilt auch für Überlegungen, mit denen ein Fahrerlaubnisinhaber die Existenz der Bundesrepublik Deutschland sowie die Legitimation der Behörden bestreitet und die Rechtsvorschriften der Bundesrepublik Deutschland als ungültig ansieht.
3. Bedenken hinsichtlich der Fahreignung eines Fahrerlaubnisinhabers können sich jedoch aus weiteren Besonderheiten in seinen Erklärungen und Verhaltensweisen gegenüber der Fahrerlaubnisbehörde ergeben. Dies kann der Fall sein, wenn Schreiben des Fahrerlaubnisinhabers einen tatsächlichen Inhalt kaum noch erkennen lassen und eine Vielzahl gravierender sprachlicher Unstimmigkeiten enthalten, die sich dem an sprachlicher Logik ausgerichteten Grundverständnis eines Durchschnittsbürgers entziehen.

 

OVG Lüneburg, Beschl. v. 18.07.2017 – 11 ME 181/17 zu Leitsatz 1;
OVG Weimar, Beschl. v. 02.02. 2017 – 2 EO 887/16 zu den Leitsätzen 2 und 3
jv



Versuchter Diebstahl

 

1. Indiz für eine fehlende Zueignungsabsicht beim Diebstahl kann die spätere Entledigung der Sache sein.
2. Nimmt ein Täter ein Behältnis allein wegen seines vermuteten wertvollen Inhalts weg, kommt nur ein versuchter Diebstahl in Betracht, wenn er von dem wertlos erachteten Inhalt des Behältnisses enttäuscht wird und die gesamte Beute mangels Interesse im unmittelbaren Anschluss an die Wegnahme wegwirft.

 

BGH, Beschl. v. 26.7.2017 – 3 StR 182/17
bb



Durchsuchung aufgrund eines anonymen Hinweises

 

1. Angaben anonymer Hinweisgeber sind als Verdachtsquelle zur Aufnahme weiterer Ermittlungen nicht generell ausgeschlossen.
2. Bei anonymen Anzeigen müssen die Voraussetzungen des § 102 StPO im Hinblick auf die schutzwürdigen Interessen des Beschuldigten aber wegen der erhöhten Gefahr und des nur schwer bewertbaren Risikos einer falschen Verdächtigung besonders sorgfältig geprüft werden
3. Der Richter darf die Wohnungsdurchsuchung nur anordnen, wenn er sich aufgrund einer eigenverantwortlichen Prüfung der Ermittlungen davon überzeugt hat, dass die Maßnahme verhältnismäßig ist.
4. Um eine solche ordnungsgemäße Prüfung durch den Richter sicherzustellen, ist es erforderlich, dass die Grundsätze der Aktenwahrheit und der Aktenvollständigkeit gewährleistet sind.
5. Aus den Akten muss sich ergeben, welche konkreten Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt worden sind und welchen Erfolg sie gehabt haben
6. Die Polizei und auch die StA als Herrin des Ermittlungsverfahrens haben die zum Zeitpunkt des Erlasses eines Durchsuchungsbeschlusses fehlende Aktenvollständigkeit zu vertreten.

 

BVerfG, Beschl. v. 14.7.2016 – 2 BvR 2474/14
jv




 

  


 

 

Literatur

 

Lehrbuch im klassischen Sinne
Bernd Heinrich, Strafrecht Allgemeiner Teil, 5. Aufl. 2016, Kohlhammer Verlag, 716 S., kart. 52 Euro
Das Buch aus der Feder des Tübinger Hochschullehrers ist ein Lehrbuch im klassischen Sinne. Es bietet den Leserinnen und Lesern eine Darstellung sämtlicher Probleme des „AT“ auf Tatbestands-,Rechtswidrigkeits- und Schuldebene. Probleme der Beteiligung werden ebenso behandelt wie Fragen der Irrtumslehre.
Die Lehren des allgemeinen Teils des Strafrechts sind keine leichte Kost. Dem Verfasser ist daher hoch anzurechnen, dass er sich einer klaren und eingängigen Sprache bedient und stets Wert auf Anschaulichkeit legt. Zahlreiche Beispiele mit Lösungshinweisen tragen hierzu wesentlich bei. Entsprechendes gilt für die Aufbau- und Prüfungsschemata, die im Anhang I enthalten sind. Vernünftigerweise werden nur die hauptsächlich in Theorie und Praxis relevanten Grundkonstellationen dargestellt: das vollendete vorsätzliche Begehungsdelikt, das Unterlassungsdelikt, die jeweiligen Versuchsdelikte und das Fahrlässigkeitsdelikt.
Weitere Schemata beziehen sich auf die Rechtfertigungsgründe und die Beteiligung. Eine weitere Arbeitshilfe bilden die im Anhang II behandelten „Problemschwerpunkte“, z. B. die Kausalitätstheorien.
Wer das Lehrbuch von Heinrich sorgfältig durchgearbeitet hat, muss Probleme des AT in einer Klausur nicht fürchten. Das flüssig geschriebene und zugleich problemorientierte Lehrbuch dürfte vor allem bei Studierenden des Faches Jura Verwendung finden. Es eignet sich aber auch für Absolventen der (Polizei-) Fachhochschule, die ein vertieftes Verständnis anstreben.
Zumindest bei der Bearbeitung von Seminar-, Haus – und Thesisarbeiten mit Bezügen zum Allgemeinen Teil des Strafrechts sollte das Buch in den Blick genommen werden.
Fazit: Ein wissenschaftlich fundiertes und zugleich didaktisch hervorragendes Lehrbuch, das zudem zu einem sehr günstigen Preis angeboten wird.
Prof. Dr. J. Vahle Bielefeld




Unentbehrliche Arbeitshilfe
Göhler, Ordnungswidrigkeitengesetz, 17. Aufl. 2017, C. H. Beck Verlag München, 1555 S., in Leinen, 79 Euro
Fünf Jahre sind seit der Vorauflage verstrichen. Etliche Gesetzesnovellen haben die Neubearbeitung nahe gelegt. Sie betreffen allerdings im Wesentlichen nicht den Kernbestand des OWiG und damit die alltägliche Praxis der Bußgeldbehörden. Zu nennen sind hier hauptsächlich einige Modifizierungen des § 107 und die – geringfügige – Anhebung des Verwarnungsgeldes (§ 56). Das Gesetz zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs hat zu Anpassungen der §§ 46 und 110d geführt. Hauptsächlich waren somit neue gerichtliche Entscheidungen und praxisrelevante Literatur einzuarbeiten. Dies ist – wie Stichproben gezeigt haben – sorgfältig und umsichtig erledigt worden.
Das Werk befindet sich nunmehr auf dem Stand vom 31. März 2017. Mehr Aktualität kann von einem gebundenen Kommentar im Juli des Jahres kaum erwartet werden.
Fazit: Der „Göhler“ ist für die mit der Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten befassten Polizei- und Ordnungsbehörden bzw. Bußgeldstellen eine unentbehrliche Arbeitshilfe.
Prof. Dr. J. Vahle, Bielefeld





 

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KRIMINALISTIK Zeitschrift

 

Bereits im 72. Jahr erscheint KRIMINALISTIK als Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt monatlich Themen wie Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Die Rubriken Recht Aktuell und Literatur sowie die Redaktionen Schweiz, Österreich und KRIMINALISTIK-Campus runden den Inhalt ab.



KRIMINALISTIK Online

 

Auf KRIMINALISTIK Online finden Sie neben den Inhaltsverzeichnissen und Editorials die Abstracts der Fachartikel. Die Leitsätze der im Heft kommentierten Rechtsprechung, meist verlinkt zu den Volltexten der Gerichtsentscheidungen, und Buchbesprechungen im Wortlaut runden das Online-Angebot ab. Unser Archiv reicht zurück bis ins Jahr 1999. Sie können es im Online- oder Print-Online-Abo nutzen oder einzelne Artikel als PDF kaufen.

KRIMINALISTIK Verlag

 

Die Zeitschrift KRIMINALISTIK erscheint im gleichnamigen Verlag. Er wurde 1926 gegründet und bietet Fachliteratur für die kriminalistische Ausbildung, Praxis und Wissenschaft. Die Schwerpunkte der Buchreihe Grundlagen der Kriminalistik liegen auf den Gebieten Kriminalistik, Polizeipraxis, Kriminologie, Recht, öffentliche und private Sicherheit. Das Programm des Kriminalistik Verlages finden Sie unter www.cfmueller.de/kriminalistik.

KRIMINALISTIK Zeitschrift

 

Bereits im 72. Jahr erscheint KRIMINALISTIK als Unabhängige Zeitschrift für die kriminalistische Wissenschaft und Praxis. Sie behandelt monatlich Themen wie Kriminalpolitik, Kriminologie, Kriminaltechnik, Strafrecht, Polizeiliche Aus- und Fortbildung sowie Rechtsmedizin. Die Rubriken Recht Aktuell und Literatur sowie die Redaktionen Schweiz, Österreich und KRIMINALISTIK-Campus runden den Inhalt ab.



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KRIMINALISTIK Verlag

 

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