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Kriminaltechnik-Fachliteratur in Französisch Das
forensisch-wissenschaftliche Institut der Universität Lausanne (Ecole
des Sciences Criminelles, ESC) ist auch Herausgeber von
kriminaltechnischen Fachbüchern, mit laufend neuen Titeln im Angebot. In
der Reihe der leider nur in Französisch erscheinenden Serie Collection
Sciences Forensiques finden sich unter anderen diese beiden
interessanten Titel:
Schuhspuren (Traces de souliers) Alexandre Girot, Christophe Champod, Olivier Ribaux – Traces de souliers, Presses Polytechniques et Universitaires Romandes, Collection Sciences Forensiques, 2008, 386 S., CHF 79,-, € 51,20.
Schuhspuren
geniessen in der traditionellen Kriminaltechnik einen hohen
Stellenwert. In der Schweiz sind mehrere Schuhsohlenmuster-Datenbanken
im Einsatz, welche nicht nur für die Zwecke der Kriminaltechnik,
sondern auch für die operative Kriminalanalyse nützlich sind. Das Werk
Traces de souliers deckt diese Spurendisziplin in ihrer ganzen Breite
ab. Illustriert mit vielen (farbigen) Abbildungen, vermittelt es den
aktuellen Wissensstand. Dabei geht es den Autoren um mehr als nur das
Methodenspektrum zwecks Sichtbarmachung und Sicherung, am Tatort wie im
Labor. Sie zeigen auf, was sich bei einer systematischen
Auswertung von Schuhspuren machen lässt, um mittels
computerunterstützter Datenauswertung die spurenkundlichen Ergebnisse
für überregionale Ermittlungszwecke zu nutzen. Der Aspekt der
Musterklassifikation wird ausführlich erläutert wie auch die
Musterauswertung mit Bezug auf die Bayes’sche Logik der Formulierung
von Hypothesen. Ein weiteres Kapitel mit zahlreichen Illustrationen
kommentiert sodann die Herstellung von modernen Schuhsolen und die
damit verbunden produktionsspezifischen Muster- Merkmale. Das
Buch deckt alles ab, was der forensische Spezialist für Schuhspuren
wissen muss. Und dies – im Gegensatz zu weiteren Fachbüchern dieser
Thematik erschienen in Übersee – mit Bezug auf die helvetische Praxis. Das Werk ist somit ein MUSS für alle kriminaltechnischen Dienste in der Schweiz.
Brände und Raumexplosionen (Incendies et Explosions d’Atmospère) Jean-Claude
Martin: Incendies et Explosions d’Atmosphère, Presses Polytechniques et
Universitaires Romandes, Collection Sciences Forensiques 2008, 590 S.,
CHF 89,50, € 56,40.
Wie in
kaum einer anderen Deliktekategorie teilen sich bezüglich der
Untersuchung von Bränden und Raumexplosionen die Meinungen, wie die
Kernkompetenzen hierfür zu definieren sind. Für die einen geht es um
polizeiliche Ermittlungstätigkeit, basierend auf langjähriger
empirischer Fronterfahrung; für andere sind Brände und Raumexplosionen
eine komplexe wissenschaftliche Materie, welche vertiefte Kenntnisse
der Physik und der Chemie voraussetzt. Das Vorwort des Autors macht
deutlich, wie sich sein Werk von weiteren Fachbüchern zum gleichen
Thema unterscheidet: Differenzierung aufgrund von
kriminalwissenschaftlichen Ursachen und nicht von strafrechtlichen
Aspekten! Der Inhalt fokussiert auf den spurenkundlichen Fakten und
überlässt die Fragen der Verantwortlichkeit für eine letztlich zum
Brand bzw. zur Raumexplosion führenden Wärmequelle dem Richter; liefert
hierfür jedoch alle erforderlichen wissenschaftlichen Aspekte. Das Werk
versteht sich somit als Fachbuch, das die beiden wichtigsten Aspekte
bei der Untersuchung von Bränden und Raumexplosionen thematisiert: die
Tatortarbeit und die theoretisch-wissenschaftlichen Grundlagen. Die
kompetente Ermittlung der Ursachen hat nichts zu tun mit voreiligen
Schlussfolgerungen oder Analogieschlüssen. Gefragt sind profunde
Kenntnisse der Physik und der Chemie als Grundlage für
wissenschaftliche Folgerungen. Das reich mit Praxisbeispielen
illustrierte Fachbuch ist ein Nachschlagewerk für alle Aspekte der
Untersuchung von Bränden und Raumexplosionen. Systematisch werden
sämtliche Kategorien von technischen Ursachen erläutert – theoretisch
wie praktisch. Somit empfiehlt sich das umfangreiche Werk allen, die
ihre Kenntnisse zu diesem Thema vertiefen wollen.
Dr. Peter W. Pfefferli
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Top-(Kurz)Kommentar Lackner/Kühl, StGB, 26. Aufl. 2007, C.H. Beck Verlag München, 1564 S., geb., € 50,-.
Drei
Jahre nach der 25. Auflage ist die aktuelle Ausgabe des Kommentars
erschienen. Insgesamt 12 Gesetze hat der Bearbeiter Kühl in die
Kommentierung eingearbeitet. Auch das Gesetz gegen Stalking (§ 238
StGB) hat noch Berücksichtigung gefunden. Der Umfang ist um rund 90 Seiten gewachsen, der Preis ist erfreulicherweise stabil geblieben. Als
„wahres Meisterwerk“ hat einer der Rezensenten in dieser Zeitschrift
(Händel, 8-9/2002) den Kommentar einmal bezeichnet. An dieser Bewertung
hat sich nichts geändert. Der „eilige Praktiker“ findet eine präzise, klare
und hinreichend ausführliche Kommentierung vor, die kaum Wünsche offen
lässt. Auch neuralgische Punkte etlicher Vorschriften werden deutlich
angesprochen. So weist der Kommentator zu Recht darauf hin, dass
§ 232 Abs. 1 in der Alternative des „Bringens zur Prostitution“ mit den
Wertungen des Prostitutionsgesetzes kaum vereinbar ist (Rn. 3).
Erfreulich ist auch, dass Kühl andere Auffassungen nicht unterschlägt,
sondern zumindest in Form von Zitaten kenntlich macht (so z. B. zur
vielfach angenommenen Verfassungswidrigkeit des – recht unbestimmten –
§ 238 Abs. 1 Nr. 5 StGB, Rn. 5). Fazit: Das handliche Buch gehört nach wie vor zu den Top- (Kurz-) Kommentaren zum StGB.
Prof. Dr. J. Vahle, Bielefeld
Stalking nach therapeutischen Beziehungen Alexander Knoll, Stalking nach therapeutischen Beziehungen, Sigmund Freud PrivatUniversitätsVerlag, Wien, 2009, € 16,50.
Auf
der Basis seiner praktischen Tätigkeit bei der Kriminalpolizeilichen
Beratung der Wiener Polizei beschriebt Alexander Knoll in Verbindung
mit aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen die Aspekte der
Auswirkungen von Stalking auf die Opfer, die Formen der Täterschaft und
die präventiv polizeilichen Täterinterventionen und das Fallmanagement
in Bezug auf das aktuelle Stalking-Gesetz in Österreich. Ein
wesentlicher Bestandteil jeder Fallbehandlung sollte die genaue Analyse
und Einschätzung der Gefährdung sein. Zu diesem Zweck stellt Knoll
verschiedene Module zur Erfassung der Gefährlichkeit dar. Der Frage, ob
es sich bei dem Phänomen Stalking um ein altes oder neues menschliches
Verhalten handelt, wird unter Einbeziehung literaturgeschichtlicher
Beispiele und historischer Kriminalfälle sowie anhand grundsätzlicher
theoretischer Erklärungsansätze nachgegangen. Im
zweiten Teil des Buches geht Alexander Knoll mittels qualitativer,
narrativer Interviews mit betroffenen Stalkingopfern der Frage nach,
welche Gefährdungsfaktoren Stalkingverhalten von Klienten nach
psychotherapeutischen oder beraterischen Beziehungen begünstigen. Es
zeigte sich, wie sich diese Stalkingopfer verhalten und welchem
Leidensdruck sie unterworfen sind. Welche Reaktionsweisen in diesem
speziellen Beziehungskontext dienlich sind, wird aus den praktischen
und theoretischen Ergebnissen abgeleitet. In den theoretischen
Betrachtungen werden als Basis aktuelle Untersuchungen zu
Stalkingopfern nach professionellen Beziehungen erläutert.
Demographische Daten zu Klienten als Stalkingtäter wurden Erfahrungen
aus Tätergesprächen und theoretische Erklärungsansätze beigestellt. Mag. (FH) Gerhard Brenner
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