Brauner Terror Verehrte
Leserinnen und Leser,

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ersten Mal überhaupt haben sich alle Fraktionen im Deutschen Bundestag
auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag verständigt und ihn in der
141. Plenarsitzung am 22. November 2011 einstimmig angenommen. In der
Debatte hob Gregor Gysi hervor, die besondere Bedeutung bestehe darin,
„dass wir trotz unterschiedlichster Auffassung in vielen Fragen den
Rechtsterroristen sagen: Ihr scheitert an uns gemeinsam – von der CSU
bis zur Linken“. Der gesamte Bundestag zeigte seine
Entschlossenheit, „sowohl die politisch-gesellschaftliche
Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten und ihren Verbündeten vertieft
fortzusetzen als auch die unabdingbaren Konsequenzen für die Arbeit der
Sicherheitsbehörden rasch zu ziehen.“
Wie konnte eine
rechtsterroristische Zelle über zwölf Jahre eine Blutspur durch
Deutschland ziehen? Wie war die Gruppierung in rechtsextremistische
Netzwerke, Organisationen und Parteien eingebunden und wie weit ging
die Unterstützerszene? Gab es Defizite bei der Führung von V-Leuten
oder sogar gezielte Aktivitäten zur Verhinderung polizeilicher
Maßnahmen durch Verfassungsschutzbehörden? Gibt es strukturelle Mängel
in unserer Sicherheitsarchitektur?
Diese und viele andere Fragen
suchen nach Antworten. Aber noch ist die Zeit der Ermittlungen und
nicht voreiliger Schlüsse mit pauschalen Unterstellungen. Erst nach
einer kritischen und sachlichen Aufarbeitung sind Bewertungen und
Folgerungen seriös möglich und sinnvoll. Vieles ist bekannt und kann
unverzüglich angegangen werden: Die „Nachwuchsgewinnung“ gelingt über
das Medium Musik in Form von Skin-Konzerten oder aber auch schon früher
über Zelt- und Jugendlager, wie Marcus Bramow am Beispiel des Vereins
„Heimattreue Deutsche Jugend e.V.“ aufzeigt. Waffen sind für Neonazis
über Schützenvereine und Reservistenkameradschaften denkbar einfach zu
erlangen (siehe Artikel von Alfred Scheidler).
Rechte
Gruppierungen nehmen sehr extensiv ihr Grundrecht auf
Versammlungsfreiheit in Anspruch und bekommen ganz in ihrem Sinne eine
breite Beachtung, vor allem durch den demonstrierenden „Bürgerblock“.
Das Beispiel Dresden (siehe Artikel von Daniel Wehmann) belegt, wie
sich Teile der Gegendemonstranten der Gewalt zuwenden und sich in
„Störereigenschaft“ und damit ins Unrecht versetzen (siehe Artikel von
Jürgen Roos).
Der Konsens im Deutschen Bundestag ist zugleich
Verpflichtung für eine rückhaltlose Aufklärung und Chance für
weitreichende Präventionsansätze. Es geht schlichtweg um
Glaubwürdigkeit und Vertrauen in unsere Sicherheitsbehörden, vor allem
aber in unsere Gesellschaft. Schließlich wird niemand als Fremdenfeind
oder Antisemit geboren, und bekanntlich kann man zwar eine Partei
verbieten, aber keine Gesinnung! Extremismus und Gewalt, ob von rechts,
von links oder von Islamisten, sind durch nichts zu legitimieren und
müssen unser aller Ächtung erfahren.
Verlag und Redaktion wünschen Ihnen ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr 2012.
Bernd Fuchs Chefredakteur
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