64. Jg. 2010, S. 691
Abstrakt: Die 56. Herbsttagung des Bundeskriminalamtes widmete sich dem Thema "Gewaltphänomene - Strukturen, Entwicklungen und Reaktionsbedarf" und fand vom 19. bis 20. Oktober 2010 in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden statt. Neben rund 500 Fachleuten aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Justiz und Polizei aus dem In- und Ausland nahmen etwa 40 Pressevertreter teil. Durch die Tagung führte Prof. Hans-Jürgen Kerner, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen. Angesichts der Weite des Tagungsthemas reichte die Spannbreite der Vertragsthemen von Gewalthandeln im Alltag, über Gewalthandeln aus politischen und religiösen Überzeugungen und gewalttätigen Subkulturen bis hin zu Gewalt als Freizeitkultur. Eingebettet waren diese Themenfelder in eine allgemeine Betrachtung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen für Gewalt bzw. gewaltfördernde Faktoren, die Reaktion des Staates auf Gewalthandeln, die Rolle der Medien und die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewaltphänomenen - insbesondere Möglichkeiten der Gewaltprävention. Nachfolgend werden wesentliche Kernaussagen aus den Statements der Referenten und den Diskussionsbeiträgen wiedergegeben.
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64. Jg. 2010, S. 697
Abstrakt: Da Gewaltphänomene typischerweise Furcht und Angst in der Bevölkerung auslösen, geht es heute insbesondere darum, ein möglichst realistisches Bild der Kriminalitätslage zu zeichnen, auf besondere Entwicklungen hinzuweisen, einen Überblick über den Stand der Strafverfolgung und der Prävention zu geben und zur Versachlichung der Diskussion beizutragen. Der Anspruch, die Kriminalitätslage realistisch darzustellen hat mit den bekannten Verzerrungsfaktoren zu kämpfen: Wie wird Gewalt registriert? Wie groß ist die Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung und damit einhergehend die gesellschaftliche und polizeiliche Sensibilisierung? Welchen Einfluss hat der polizeiliche Kontrolldruck? Wie groß ist das jeweilige Dunkelfeld?
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64. Jg. 2010, S. 704
Abstrakt: Neben den "objektiven" PKS-Daten gewinnen Umfragen zum Sicherheitsgefühl als weitere strategische Planungsgrundlage zunehmend an Bedeutung. Sie sollten wissenschaftlich begleitet und standardisiert erhoben werden, denn nur dann ermöglichen sie empirisch fundierte Aussagen und eine zeitliche und regionale Vergleichbarkeit. Wie in der Kriminalistik 6/10, S. 362 kurz berichtet, wurde Anfang Mai 2010 DEFUS gegründet. Wenn solche Netzwerke wirklich Sinn machen sollen, dann muss ihre Arbeit über den bloßen Erfahrungsaustausch hinausgehen. In einem ersten Schritt will DEFUS daher die Stuttgarter Sicherheitsbefragung, die wir im Anschluss vorstellen, als Methode lokaler Sicherheits-Audits anbieten.
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64. Jg. 2010, S. 705
Abstrakt: Kriminalität und öffentliche Sicherheit in der Stadt haben eine Bedeutung für unterschiedliche Entscheidungsprozesse. Sie stellen Herausforderungen an Staat und Kommunen, die für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit Sorge tragen. Die Sicherheitslage in einer Stadt kann aber auch Anlass für Unternehmen sein, sich für oder gegen einen Standort zu entscheiden: Kriminalitätsbelastung als Standortfaktor. Standortfaktor ist aber nicht nur das Abbild des statistisch erfassten Zahlenwerks der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), sondern auch die Wahrnehmung der Kriminalität in der Bevölkerung oder das, was sie damit verbindet, und dies drückt sich im Sicherheitsgefühl aus. Angsträume sind nicht unbedingt Kriminalitätsschwerpunkte. Häufig sind sie das Ergebnis mehrerer Vorkommnisse, die durch einseitige Bewertungen den Status des Irrationalen, des Angstraumes erlangen.
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64. Jg. 2010, S. 718
Rechtsprechung: OLG Oldenburg vom 20.08.2010 - 1 Ws 371/10 -
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64. Jg. 2010, S. 719
Abstrakt: Im ersten Teil des Beitrages Analysepsychologie (vgl.Kriminalistik 11/10, S. 665 ff.) wurden die verschiedenen psychologischen Determinanten vorgestellt, welche auf die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung eines Polizeianalysten einwirken. Im vorliegenden zweiten Teil werden die häufigsten kognitiven Verzerrungen beschrieben, welchen Analysten unterliegen. Der Begriff "kognitive Verzerrung" umfasst systematische - also nicht zufällige - Fehler beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Nur wenn der Polizeianalyst um diese Wahrnehmungsfallen und Urteilsfehler weiß, kann er auch danach streben, diese zu vermeiden.
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64. Jg. 2010, S. 726
Abstrakt: Der Sachverhalt, welcher der im Folgenden besprochenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs zugrunde liegt, könnte dramatischer kaum sein. Es handelt sich um die Verurteilung eines Beschuldigten wegen Mordes an seiner Geliebten aus niedrigen Beweggründen. Diese Entscheidung, die der Bundesgerichtshof im letzten Jahr überprüfte, geht in ihrer rechtlichen Bedeutung jedoch weit über diese Beziehungstat hinaus. Zwar ging es im konkreten Fall lediglich um die Rechtmäßigkeit einer Abhörmaßnahme im Rahmen der Untersuchungshaft. Die Tragweite dieser Entscheidung reicht jedoch weiter als diese Konstellation und berührt generell Fragen der Selbstbelastungsfreiheit des Beschuldigten und die Grenze der Zulässigkeit erlaubter kriminalistischer List. Damit betroffen ist auch eine Vielzahl verdeckter Maßnahmen, bei denen die Grenzziehung, mit welchen Mitteln der Irreführung noch gerichtsverwertbare Beweismittel zu erlangen sind und wo die "Schallgrenze" der Selbstbelastungsfreiheit anzusiedeln ist, zentrale Bedeutung gewinnt.
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64. Jg. 2010, S. 730
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64. Jg. 2010, S. 732
Rechtsprechung: BGH vom 12.01.2010 - 4 StR 589/09 -
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64. Jg. 2010, S. 733
Abstrakt: Im Jahre 2005 verstarb ein Mann mit zwei Messerstichverletzungen - in Brust und Oberarm - auf der Hauptwache der Stadtpolizei Zürich. Die Polizei stiess schnell auf eine Hauptverdächtige: seine Ehefrau. Doch diese nutzte widersprüchliche Polizeiwahrnehmungsberichte und machte geltend, dass sie dem Opfer nur einen Stich, den nicht todesursächlichen in den Oberarm, versetzt hätte. DNA-Spuren konnten auf der Tatwaffe gesichert werden, erlaubten jedoch keine Rückschlüsse auf den Tatablauf. Faserspuren spielten schlussendlich die entscheidende Rolle bei der Fallaufklärung. Sie waren der Justiz eine grosse Hilfe bei der Urteilsfindung: Auch im Zeitalter der DNA-Analyse dürfen klassische Spuren, wie Mikrospuren, nicht vergessen gehen!
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64. Jg. 2010, S. 741
Abstrakt: In der Arbeit "Prävention und Sicherheitsgefühl" steht die Frage im Mittelpunkt, welche Auswirkungen kriminalpolizeiliche Präventionsarbeit auf das Sicherheitsgefühl der Menschen hat - mit dem Ergebnis: Das Sicherheitsgefühl ist ein mehrdimensionales Konstrukt, das sehr wohl durch polizeiliche Präventionsarbeit positiv verändert werden kann. Aber auch andere Faktoren, die in der Hand der Polizei liegen, haben wesentliche Auswirkungen, etwa das wahrgenommene polizeiliche Handeln, also wie Polizistinnen und Polizisten in der Öffentlichkeit auftreten, vor allem bei Amtshandlungen nach Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung treffen.
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64. Jg. 2010, S. 747
Abstrakt: "Macht korrumpiert. Und absolute Macht korrumpiert absolut." Dieser Spruch des englischen Historikers Lord Acton aus dem 19. Jhdt. hat nichts an Relevanz verloren, ganz im Gegenteil. Man denke nur an die jüngsten Verdachtsfälle in Österreich wie "Hypo Group Alpe Adria, ÖOC", "Mensdorff-Pouilly" oder der Osterfestspiele Salzburg: Die Zahlen der Verdachtsfälle, vermutete Schadenssummen und die vermutete Dunkelziffer für Korruption (Bestechung) in Unternehmen sind im Steigen. Der volkswirtschaftliche Schaden in Österreich durch Korruption ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und wird heuer schon 26 Milliarden Euro ausmachen; das sind fast zehn Prozent des Bruttosozialprodukts. Das geht aus einer Berechnung hervor, die der Linzer Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider im Mai 2010 beim Antikorruptionstag des Innenministeriums präsentierte. 2005 lag der geschätzte Schaden durch Korruption noch bei 21 Milliarden Euro.
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64. Jg. 2010, S. 753
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64. Jg. 2010, S. 757
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